Milchindustrie: Die wahren Absichten des Dr. Karl-Heinz Engel!

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

26.04.2010 10;45;34 

Milchindustrie: Die wahren Absichten des Dr. Karl-Heinz Engel  !

„Tue Gutes und rede darüber“ ist eine geflügelte Redensart, die sich viele Meiereiexperten jetzt auf ihre Fahnen schreiben, denn es geht mit den Milchpreisen ja wieder bergauf. Es vergeht „fast“ kein Tag, an dem die frohe Kunde nicht unters „Milchvolk“ getragen wird. Jeder möchte teilhaben an der „öffentlichen Darstellung“ der frohen Kunde. Stolz wird verkündet, dass sich der Milchpreis gegenüber 2009 (zirka 24 Cents/kg/Milch)  in 2010 auf bis zu 30 Cents/kg/Milch hochschaukeln könnte. Natürlich nur dann, wenn sich alles weiterhin so positiv entwickelt wie bisher. Also eine frohe Kunde mit Ausstiegsklausel !

Die Richtung stimmt – aber?

Zugegeben: Ein Schritt in die richtige Richtung! Aber reicht das? Mitnichten ! Bei Produktionskosten von 39,54 Cents/kg/Milch werden  (fast)noch nicht einmal die variablen Kosten in Höhe von 25,61 Cents/kg/Milch gedeckt. Also weiterhin Alarm im Kuhstall !

Diese an sich erfreuliche Entwicklung am Milchmarkt, die zwar die Milchbauern noch lange nicht aus den Miesen führt, ist für Dr. Engel nicht ganz geheuer.

 

Existenznot der Milchbauern spielt keine Rolle!

Angesichts von Milchpreisen um die 30 Cent/kg  (zurzeit 26 -27 Cents) sieht Dr. Engel nicht nur eine Erholung des Milchmarktes sondern bereits Anzeichen für eine Überhitzung. Er rief die Kommission auf, endlich die Interventionsbestände zu verkaufen. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, fragte der MIV-Vorsitzende.“ Wie fragwürdig diese Annahme ist, zeigt der Bericht von Fonterra über die April - Auktion:

Der durchschnittliche Preis für Vollmilchpulver sank damit gegenüber der Auktion vor einem Monat um 27,96 Euro (37 Dollar) auf 2.971 Euro (3.932 Dollar). Für Magermilchpulver sank die Notierung im Mittel aller Kontrakte und Laufzeiten um 1,4 Prozent auf 3.612 Dollar (2.729 Euro). Andererseits erhöhte sich die Durchschnittsnotierung für wasserfreies Milchfett (AMF), das erst seit November bei der "Global Dairy Trade"-Auktion gehandelt wird, laut Fonterra-Angaben gegenüber der April-Auktion um 4,4 Prozent auf 5.020 Dollar (3.793 Euro) (Quelle: toparar).“ Mit diesen zurzeit am Markt erzielten Preisen sind die Produktionskosten der Milchbauern nicht zu decken!

Ferner verlangte er mehr Freiheit für die Marktkräfte. Sein Verband sei für nachhaltige Milchpreise, aber ein Zurück zur Planwirtschaft dürfe es nicht geben. Während er den Einsatz von Exporterstattungen unterstützte, positionierte er sich klar gegen die verpflichtende Einführung von Standardverträgen auf EU-Ebene. Es gebe keine Einheitslösung für alle. Außerdem müsse man bei eventuellen Maßnahmen zur Stärkung der Erzeuger dafür sorgen, dass keine neuen Handelsschranken am Binnenmarkt aufgebaut würden (Ouelle: topagrar).

Der Markt ist alles!

Angesichts noch nicht einmal kostendendeckender Milchpreise für die Michbauern  ist diese  öffentliche Warnung völlig deplatziert, denn sie hat Signalwirkung für die Märkte. Auch  das Argument einer „angeblichen Überhitzung“ bei einem Milchgeldauszahlungspreis an die Milchbauern von zurzeit 26-27 Cents/kg/Milch zeigt deutlich, wessen Geistes Kind Dr. Engel ist. Hier stehen nicht mehr die Milchbauern mit ihren Existenznöten im Vordergrund strategischer Überlegungen sondern einzig und allein die Interessen der Milchindustrie. Offener kann man sich gegenüber den Milchbauern in dieser „entlarvenden Weise“ nicht äußern!

Was sagt uns das?

Die von Dr. Engel zuvor geforderte Zusammenarbeit zwischen Erzeuger und Verarbeiter ist durch „sein Outen“ mit Füßen getreten worden. Es ist eine Illusion zu glauben, dass die Milchindustrie auf Seiten der Milchbauern steht. Im Gegenteil: Sie benötigt einen billigen Rohstoff, um am Weltmarkt das große Rad drehen zu können. Sie tut alles, um dieses Ziel- koste es was es wolle! - zu erreichen.

 

Die Schwäche der Milchbauern ist die Stärke der Milchindustrie

Diese strategische Ausrichtung der Milchindustrie kann nur deshalb  umgesetzt werden, weil die Milchbauern nicht als gleichberechtigte Partner gegenüber der Milchindustrie auftreten. Es wird von Seiten der Milchindustrie alles getan, um eine bäuerliche Bündelung der Milchmenge zu verhindern. Besonders makaber sind die Äußerungen  von Dr. Engel unter  dem Blickwinkel seiner genossenschaftlichen Tätigkeit zu sehen.

 

Der Genossenschaftsgedanke steht auf dem Prüfstand!

Dr. Engel ist u.a.  geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Erbeskopf Eifelperle eG. Laut Genossenschaftssatzung hat sich Dr. Engel verpflichtet, die Wirtschaftskraft der Genossenschaftsmitglieder zu stärken. Dazu der Genossenschaftsverband (DRV) bei der Anhörung vorm Bundeskartellamt:

„Der Milcherzeuger unterhält mit seiner Molkereigenossenschaft eine Förderbeziehung; er hat Mitbestimmungsrechte und Demokratieverantwortung in den Generalversammlungen. Somit handelt es sich bei eingetragenen Genossenschaften um klassische Erzeugerzusammenschlüsse. In der Anhörung stellte der DRV darüber hinaus klar, dass sich die Milchpreisfestsetzung an den rechtlichen Rahmenbedingungen orientiert und im Grundsatz der Marktpreis gezahlt wird „(Quelle:DRV).

Die Verpflichtungen, die Dr. Engel gegenüber den Genossen übernommen hat, werden durch seine Äußerungen zur Makulatur. Damit tritt er den Genossenschaftsgedanken mit Füßen. Angesichts seiner hervorgehobenen Stellung in der Milchindustrie und im Genossenschaftswesen ist zu vermuten, dass seine Äußerungen auch vom DRV gedeckt werden. In diesem Zusammenhang muss man sich natürlich die Frage stellen, ob diese strategische  Marktausrichtung auf Kosten des Milchpreises (der Milchbauern) noch mit dem genossenschaftlichen Auftrag  vereinbar ist. Ich meine nein!

 

Sind die Milchbauern noch Herr der Lage?

Die Genossenschaftsmitglieder müssen Dr. Engel zur Rede stellen. Die Unternehmensstrategie muss zugunsten der Milchbauern geändert werden. Wenn nicht, dann muss „der Mann“  aus dem Markt genommen werden. Auf  was wollen die Milchbauern denn jetzt noch warten?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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