Milchkrise ; DLG-Präsident völlig abgehoben !

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

 

Milchkrise: DLG- Präsident Bartmer völlig abgehoben!

 

Man kann es kaum glauben –  ist jedoch  wahr! Da geht ein Mann an die Öffentlichkeit und hat   den  Michbauern wichtiges zu  sagen: „ Die Zukunft der Milchbauern liegt im freien Markt!“ Die Quote läuft aus, freie Fahrt den Wachstumsbetrieben. So geschehen in Wesermünde auf   einer Landvolk-Versammlung.  Der Referent : Kein geringerer als der Präsident der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG)  Carl-Abbrecht Bartmer. Und Bartmer setzt noch eins drauf: „Die im Norden haben gute Chancen, dort erfolgreich mitzumischen, wenn sie sich auf Unternehmer-Tugenden besinnen.

Welche Tugenden meint Bartmer ?

Zunächst einmal ist zu fragen, welche  Unternehmer-Tugenden Bartmer überhaupt meint.  Ist es die Unternehmer-Tugend  des Herrn Bartmer,  der frei über Produktion, Einkauf, Verkauf, Risiko und Unternehmensausrichtung  entscheiden kann , oder ist es die Unternehmens-Tugend der Milchbauern, die  durch Investitionen und Grünlandstandorte an eine Produktion gebunden sind, keinen Einfluss auf den Markt haben , da die Milchindustrie und der Bauernverband nicht (noch nicht) mitspielen und die erzeugten Produkte nur abliefern  können. Die Rohmilch hat ohne Molkereiverwertung  keinen Marktwert und  die Milchbauern  bekommen nur das, was die Milchindustrie für die Milchbauern übrig hat. Letzteres meint wohl Bartmer !

 

Ein Ackerbauer will den Milchbauern Ratschläge geben!

Insoweit ist der Milchbauer nur noch ein Subunternehmer. Ich nehme es Bartmer nicht übel, dass er diese feinen Unterschiede nicht machen kann. Wie sollte er auch? Bartmer bewirtschaftet einen großen Ackerbaubetrieb von zirka 1.000 ha in den neuen Bundesländern. Aber dennoch hätte ich mir gewünscht, dass sich Bartmer mehr mit dem Thema Milch beschäftigt, wenn er denn – wie geschehen – sich zur Lage der Milchbauern äußert.

 

Von Tuten und Blasen keine Ahnung – aber ein großes Wort !

Auch machte Bartmer die Milchquote dafür verantwortlich, dass wir am wachsenden Weltmarkt nicht teilnehmen können. Ich bin mir nicht sicher, ob Bartmer bewusst oder unbewusst falsche Fährten gelegt hat. Wenn das bewusst geschehen ist, dann kommt es einer arglistigen Täuschung gleich. Tatsache ist, dass nicht die Quote das Übel ist sondern die hohen Produktionskosten in Europa. Wir können zu Weltmarktpreisen nicht produzieren und deshalb auch nicht mithalten. Herr Batmer soll sich mal den Bericht des Europäischen Rechnungshofes ansehen, der zum gleichen Ergebnis kommt.

Bartmer weiter: „Die Bauern in der Region hätten verstanden, dass man gerade in Krisenzeiten investieren muss, wenn man bestehen will.“

 

Selbst die „Presse“ wundert sich

Dazu die Niederelbe Zeitung:

„Sie (die Bauern) hätten ein hartes Jahr hinter sich, das schwierigste seit Gründung der Republik. 95 % der Höfe im Landkreis Cuxhaven seien dadurch in finanzielle Nöte geraten. Um die Betriebe liquide zu halten, hätten die Sparkassen und Volksbanken Kredite in Höhe von 28 Mio. Euro in die Betriebe  gepumpt.“ Nicht anders sieht es in Schleswig-Holstein aus. Dem durchschnittlichen Milchviehbetrieb fehlen zur Kostendeckung 6.5 Cents je kg/Milch bei einem Milchgeldauszahlungspreis von 30,84 Cents.

Überproduktion sorgt für niedrige Milchgeldauszahlungspreise

Ein weiteres Absinken des Milchpreises hätte katastrophale Folgen für die Milchbauern und damit für den ländlichen Raum. Da aber die Ausweitung der Milchproduktion trotz eines Überangebotes mit staatlicher Unterstützung in allen Bundesländern (außer Schleswig-Holstein) vorangetrieben wird, ist mittelfristig mit einer Erholung der Milchgeldauszahlungspreise nicht zu rechnen: Im Gegenteil: Einige Indizien deuten darauf hin, dass es möglicherweise mit den Milchgeldauszahlungspreisen wieder bergab geht. Bei einem Spotmarktpreis für Milch von zurzeit zirka 26 Cents/kg, der für die Milchbauern nicht kostendeckend ist, legen die Pazifikstaaten mit der Milchproduktion schon wieder  zu: Im Klartext: Die weltweit günstigsten Produktionsstandorte bestimmen u.a. den  Weltmarktpreis. Dieser lag in den letzten neun Jahren im arithmetischen Mittel bei 20,30 Cents/kg/Milch. Zum Vergleich : Produktionskosten ( Vollkosten ), S-H- Rinderspezialberatung 39,54 Cents/kg ECM 2009.

 

Der völlig  überforderte  Präsident Bartmer

Insoweit liegt die Aussage von  Barmer, in Krisenzeiten kräftig zu investieren,  völlig neben der Sache. Angesichts der von Bartmer geforderten weiteren Liberalisierung ist diese Aussage schon als grob fahrlässig zu bezeichnen. Denn wir können zu Weltmarkt zurzeit nicht produzieren. Deshalb ist es ein schwachsinniges Unterfangen von Bartmer den  Weltmarkt immer wieder zu bemühen.   Vielmehr wird für die“ weiße Ware“ eine gewisser Außenschutz benötigt, damit die Milchbauern kostendeckend wirtschaften können. Selbst  Außenstehende erkennen die dramatische Lange der Milchbauern an und sind von dem Optimismus des Präsidenten überrascht, der auch noch fordert, alle  Agrarsubventionen anzuschaffen, da sie den Bauern nicht weiterhelfen. Mit dieser Äußerung disqualifiziert sich Bartmer als Anwalt der Milchbauern. Denn ohne Direktzahlungen an die Betriebe, sie machen immerhin 40 Prozent des Gewinns aus (wenn welcher vorhanden ist), hätten die Milchviehbetriebe keine Überlebenschance. Diese Direktzahlungen  werden bis 2013 weiter abgeschmolzen (im Fachjargon heißt das „Soft Landing“). Was danach passiert - steht noch in den Sternen! Tatsache ist jedoch schon heute: Aufgrund der Ausgabendeckelung des EU-Agraretats und in Verbindung mit der Osterweiterung sind weitere Kürzungen der Direktzahlungen bis zu 27 Prozent zu befürchten. Insoweit ist eine verlässliche Kalkulation für Milchviehbetriebe zurzeit nicht möglich.

Weitere Infos unter http://specht.over-blog.de

 

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