Milchkrise : MEG Milch Board - Das Ei des Columbus !

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

 Milchkrise:                     MEG  Milch-Board – Das Ei des Columbus !

                                       - Verflixt nochmal, machen Sie es einfach! -

 

In Ergänzung  zur „reinen Milcherzeugergemeinschaft“ (MEG), die nur auf die bestmöglichste Verwertung der Rohmilch ihrer Mitglieder ausgerichtet ist, geht das Milchboard noch einen Schritt weiter. Und dieser Schritt heißt:“ Marktmitgestaltung durch die Milchbauern!“ Um diese Mitgestaltung auch wirksam werden zu lassen, ist ein bundesweiter Anspruch vonnöten. In seiner Funktion ersetzt das Milchboard nicht die Erzeugergemeinschaften und Genossenschaften  sondern versteht sich als deren Ergänzung. Als so genannte „Milchbauern-Holding“ gibt das Milch-Board nur den Rahmen vor, in dem  die Milchbauern freie Lieferentscheidungen treffen können. Voraussetzung ist, dass der von der Holding empfohlene Mindestpreis für die Rohmilch Eingang in die Vertragsverhandlungen findet. Der Mindestpreis, der im Rahmen einer Vollkostenrechnung ermittelt und durch das Bundeskartellamt geprüft und abgesegnet wird, soll das auskömmliche Einkommen der Milchbauern sichern und nicht den Wettbewerb verhindern.

Das Bundeskartellamt hat das Milchboard im Rahmen ihrer Sektorenuntersuchung  als ein Instrument zur Stärkung der bäuerlichen  Marktmitgestaltung bezeichnet und darauf hingewiesen, dass nun endlich gehandelt werden müsse. „Verflixt nochmal, machen Sie  es einfach“, sind die mahnenden Worte der Berichterstatterin des Bundeskartellamtes Frau Eva-Maria Schulze. Nun sollte man meinen, dass mit dieser eindeutigen Empfehlung alle Unklarheiten beseitigt wären – aber weit gefehlt! In  einer Stellungnahme des Raiffeisenverbandes heißt es:  Der DRV weist die Forderung des Bundeskartellamtes, Milchpreise zwischen den angeschlossenen Mitgliedern einer Genossenschaft und der Genossenschaft selbst auszuhandeln, als unrealistisch zurück und betont, dass die Milchpreisfestsetzung zu den originären, eigenverantwortlichen Aufgaben der Geschäftsführung nach § 27 des Genossenschaftsgesetzes zählt. Der genossenschaftliche Förderauftrag verpflichte zum bestmöglichen Auszahlungspreis.“

Anmerkung:

Der Raiffeisenverband sieht das Milchboard nicht als Ergänzung zu seiner ordinären Aufgabenwahrnehmung der wirtschaftlichen Stärkung seiner Genossen an, sondern für den Verband ist der Markt das Ziel und nicht der Milchgeldauszahlungspreis an die Bauern. Beim Milchboard geht es nicht um ein Handeln der Genossen innerhalb der Genossenschaft sondern um die Stärkung der Genossenschaftsmitglieder als Marktteilnehmer. Insoweit trägt das Milchboard zur Marktstärkung der Milchbauern bei. Dies sollte-besser gesagt es müsste -  auch im Interesse des DRV liegen.

                                                                Weiter heißt es:

„Der Deutsche Raiffeisenverband reagiert mit Unverständnis auf eine Empfehlung des Bundeskartellamts: Landwirte sollten (keine) Erzeugergemeinschaften bilden, um einen besseren Milchpreis auszuhandeln. Die Beziehung Landwirt - Genossenschaft sei bereits eine klassische Erzeugergemeinschaft.“

 

Anmerkung :

Zwar ist es richtig, dass die Genossenschaft gemäß ihres gesetzlichen Auftrags Züge einer Erzeugergemeinschaft aufweist; jedoch nur auf den Markt zu reagieren und als Ergebnis dieses Markthandelns an die Genossen ( Milchbauern ) den Restbetrag (Milchgeld) auskehrt, ist bei Weitem zu wenig. Diese  Praxis der Reduktion nur auf den Markt ohne Einbindung der Milchbauern hat  eindeutige Schwächen, die auch durch die Bundeskartellbehörde offengelegt wurden. Die Entwicklung der Milchpreise für die Milchbauern in der letzten Zeit bestätigt die Aussage der Kartellbehörde. Insoweit ist es notwendig, durch weitere marktkonforme Maßnahmen die Erzeugerseite in ihrer Marktpräsenz zu stärken. Nichts anders strebt das Milchboard an.  Diesem Anliegen kann sich eine Genossenschaft nicht verschließen, wenn sie ihren genossenschaftlichen Auftrag  ernst nimmt.

 

Und was sagt der Bauernverband dazu?

„Einer Erzeugergemeinschaft "mit Namen Milchboard" erteilte Schmidt eine Absage. Davon gebe es in Deutschland Hunderte. Diese Erzeugergemeinschaften hätten im Vergleich zum Milchboard allerdings Verträge mit Abnehmern und einen Vertragspartner mit dem sie verhandeln könnten. Außerdem hätten alle das Produkt, nämlich die Milch. "Genau das hat die Erzeugergemeinschaft mit dem Namen Milchboard nicht", erklärte Schmidt. "Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass das Milchboard kein Instrument ist, um Antworten auf die Krise der bäuerlichen Milchwirtschaft zu geben", wandte sich Schmidt an den BDM-Vorsitzenden. Wenn man eine Struktur habe, bei der man Mengen und Preise steuere, dann sei man in der Quotenregelung drin, vielleicht sogar "noch schärfer".

Anmerkung:  Hat Herr Schmidt nichts verstanden – oder will er nicht verstehen?

Wie eingangs schon erwähnt, ist das Milchboard defacto eine „Milchbauern –Holding“, die Marktgeschehen und Marktmechanismen wie u.a. Erzeugerpreisbildung mitbestimmen will. Unter diesem Dach können sich alle Milchbauern sammeln, gleichgültig, ob genossenschaftlich organisiert, Erzeugergemeinschaften angehörend oder als Einzelkämpfer unterwegs sind. Alle bestehenden Verträge oder Lieferverpflichtungen können eingehalten werden.  Dieser Anspruch des Milchboards  wird vom Bundeskartellamt bejaht. Allein schon die Tatsache der Bündelung von“ Milchbauerninteressen“ löst beim Bauernverband  Ängste aus ! Daraus leitet sich die Frage ab:“ Wie weit hat sich der Bauernverband von den Milchbauern schon entfernt?“ Insoweit sind die Einlassungen des Bauerverbandes unerklärlich. Die Auffassung des Bauernverbandes deckt sich weitgehend mit der des DRV. Ein Schelm, der dabei böses denkt!

 

Empfehlung eines Professors

Auch der anerkannte Marktforscher Prof. Dr. Dr. Radermacher hält das Michboard für eine intelligenten Lösungsansatz, um die Stellung der Milchbauern am Markt zu stärken. Die Ziele des Milchboards sind gesetzeskonform und sollten im Interesse der Milchbauern umgesetzt werden!

Es tut sich was!

Die Sektorenuntersuchung des Bundeskartellamtes sorgt für Bewegung:

 

Ergebnis:

Das Milch Board will der Bayern-MeG beitreten. Das ist das Ergebnis eines Spitzengespräches zwischen den Vorständen der Bayern Mag, Führungskräften des Verbandes der Milcherzeuger (VMB) und der MEG Milch Board.  

 Johannes Bayrhof und Anton Hörmann von der MEG Milch Board stellten unter Vorbehalt der Mitgliederzustimmung, einen Aufnahmeantrag des Geschäftsfeldes Obergünzburg zur Bayern MeG. Einzelne Führungskräfte der Bayern MeG, erklärten sich daraufhin spontan bereit, in diesem Falle der MEG Milch Board beizutreten, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung Die getroffenen Aussagen sind also zunächst nicht verbindlich. Allerdings werden sie von beiden Seiten als wichtiges Signal verstanden, dass die Milcherzeuger an der Basis wieder zusammengeführt werden müssen. Am 2. März sollen die Mitglieder über den Beitritt zur Bayern-MEG abstimmen. Das Milch Board vermarktet derzeit  32 Mio. kg Milch.

Alle Beteiligten waren sich darin einig, dass ein wesentlich höherer Bündelungsgrad der Milcherzeuger erreicht werden muss. Dabei wurde eindeutig festgestellt, dass Bayern MEG und MEG Milch Board nicht in Konkurrenz zueinander stehen, da jede Organisation für sich andere Schwerpunkte verfolgt.“

 

Anmerkung :

Die Gremien des MEG-Milch Board Obergünzburg haben zwischenzeitlich, wenn auch mit Bauchschmerzen, dem „konstruktiven Kompromiss“ zugestimmt. Eine richtige Entscheidung, die Schule machen sollte. Alle Milchbauern, die mit der jetzigen Situation unzufrieden sind, müssen nun handeln und die Zusammenarbeit mit dem Milch-Board suchen. Nur so können sie ihre Stellung am Markt mittelfristig verbessern. Meckern alleine genügt nicht! Es muss nun gehandelt werden! Die Milchbauern haben es selbst in der Hand, sich am Markt als gleichwertiger Partner zu bewegen. Darüber hinaus muss auch der Brückenschlag zu den anderen EU- Ländern geschlagen werden. Wie sagte doch Frau Schulze vom Bundekartellamt:  „Verflixt nochmal, machen Sie es einfach!“ Dem ist nichts hinzuzufügen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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K
<br /> Kleine Bitte: Die letzten beiden Absätze sind in dunkler Schrift auf dunklem Grund, bitte ändern.<br /> <br /> <br />
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D
<br /> Moin Herr Specht,<br /> <br /> die Sache mit den 300 Kuhbetrieben läßt sich auch schnell hochrechnen, denn vor dem Lernen kommt die Desillusionierung:<br /> <br /> Der Idealbetrieb, so wie ihn sich die Nordmilch vorstellt melkt 300 Kühe. 300 Kühe pro Betrieb bedeutet:<br /> Von den 2007 in Deutschland vorhandenen 102 000 Milchviehbetrieben mit durchschnittlich 40 Kühen wird, wenn sich die Nordmilchvorstellungen bewahrheiten, lediglich Platz für 14% oder 13 600<br /> Betriebe übrigbleiben. Da wird kaum einer von uns dabei sein können, egal ob er gerade für viel Geld einen neuen Stall gebaut hat und sich noch 20 Jahre mit dem Abzahlen der Schulden beschäftigen<br /> darf, oder nicht.<br /> Und das ist längst nicht alles. Fonterra! baut gerade in China einen Milchviehbetrieb für knapp 6 000 Kühe auf, um die Rohstoffversorgung ihrer chinesischen Molkerei sicherzustellen.<br /> Die diesjährigen Fachexkursionen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen gehen nach Russland. Und dort werden ebenfalls größere Betriebe in der Bandbreite von 600 bis 3 000 Kühen zu sehen sein.<br /> <br /> Auch Bauern haben die Fähigkeit zu verstehen, dass ihre eigene Zukunft in großer Gefahr ist, wenn sie ihr Handeln nicht ändern.<br /> Wenn wir möglichst viele von unseren Familienbetrieben retten wollen, müssen wir uns endlich organisieren. Mit dem Milchboard haben wir eine Sprungschanze, von der man richtig gut springen kann.<br /> Nur das Springen nimmt uns keiner ab. Dass das System Milchboard funktionieren wird, lässt sich momentan an jeder Tankstelle beobachten. Überall steigen gleichmäßig die Preise, und doch hat das<br /> Kartellamt keinerlei Handhabe. So etwas können wir auch! Wenn der Preis für eine auskömmliche Entlohnung lediglich aus Lieferdisziplin besteht, sollten wir nicht länger mit dem Lernen warten.<br /> <br /> Dirk Glaser<br /> <br /> <br />
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D
<br /> Herr Specht, sie sprechen mir aus der Seele.<br /> <br /> Den folgenden Leserbrief wollte das Landwirtschaftsblatt Westfalen-Lippe nicht veröffentlichen. Ich finde er passt ganz gut zum Thema.<br /> <br /> In seiner Stellungnahme startet der DRV leider den völlig überflüssigen Versuch, die Entwicklung von Milcherzeugergemeinschaften zu behindern.<br /> An zwei Punkten läßt sich dies verdeutlichen.<br /> <br /> Ausdrücklich wird vom DRV darauf verwiesen, dass:<br /> 1. der genossenschaftliche Förderauftrag zum bestmöglichen Auszahlungspreis verpflichtet.<br /> 2. es sich bei eingetragenen Genossenschaften um klassische Erzeugergemeinschaften handelt.<br /> <br /> Wenn der bestmögliche Auszahlungspreis verpflichtend ist, warum unterbieten sich die Molkereien dann gegenseitig bei ihren Angeboten an den Einzelhandel und spielen damit eine „klassische<br /> Erzeugergemeinschaft“ gegen die andere aus?<br /> Natürlich weil sie durch unsere zuviel produzierte Milch, zu diesem, dem „genossenschaftlichen Förderauftrag“ eklatant widersprechenden Handeln gezwungen werden.<br /> Die Molkereien müssen also, wenn sie den „genossenschaftlichen Förderauftrag“ wirklich ernstnehmen, alles in ihrer Macht stehende unternehmen, um mit diesen Überschüssen die Wurzel allen Übels zu<br /> beseitigen.<br /> Wenn der „genossenschaftliche Förderauftrag“ tatsächlich über allem steht, müssen sich die Molkereien darüber hinaus mit aller Kraft dafür einsetzen, dass eine kraftvolle Erzeugergemeinschaft wie<br /> das Milch Board eine ist, sich besser entwickeln und als Partner auf Augenhöhe an ihre Seite treten kann.<br /> Dieser Partner wird dafür Sorge tragen, dass den Molkereien - just in time - immer genau die benötigte Milchmenge zur Verfügung steht. Nicht mehr und auch nicht weniger.<br /> Dieser Partner wird von unabhängiger Stelle eine Kosten- Gewinn- schwelle ermitteln lassen, die uns Milcherzeugern kostendeckende Milchpreise und den Molkereien gleiche Startchancen garantiert.<br /> Mit diesen beiden Instrumenten – bedarfsgerechte Menge und gleicher Basispreis – ausgestattet, können die Molkereien ihre betriebsspezifischen Qualitäten richtig ausschöpfen und vor allem ihrer<br /> Verpflichtung zum bestmöglichen! Auszahlungspreis überhaupt erst optimal nachkommen.<br /> Otto Normalverbraucher zahlt deshalb im Laden keineswegs mehr für seine Milchprodukte, wie das Beispiel Kanada seit Jahrzehnten belegt.<br /> Das Milch Board und die Molkereien, als natürliche Partner an einem Strang ziehend, bieten also Vorteile für alle Beteiligkeiten.<br /> Umso unverständlicher, dass der DRV als Dachverband auch unserer Molkereien diese Möglichkeiten nicht aktiv unterstützt.<br /> Dirk Glaser<br /> Milchbauer aus Wiesede/Ostfriesland<br /> <br /> <br />
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K
<br /> <br /> Lieber Herr Glaser,<br /> Wahrheiten können oft so einfach sein, wenn man sie denn begreifen will !<br /> Und hier liegt das Problem. Seit Jahren bleuen die meisten ( die vom Bauernverband <br /> beeinflussten, das sind immerhin 90%) Fachzeitschriften den Bauern ein nur Wachstum um jeden Preis führt zum<br /> Überleben. Diese Philosphie ist gescheitert ! Nur : Die Meinungsbildner und die im System<br /> "Großgewordenen" haben es noch nicht bemerkt.  Ein Bauernverband, der über 50 Prozent der Milchbauern ganz einfach abschreibt, kann die Bauern nicht mehr vertreten. Auch die<br /> Molkereien setzen auf Markt und nicht auf den Milchgeldauszahlungspreis an die Bauern. Die Nordmilch eG propagiert (bisher) den 300 Kuh-Betrieb. Arla setzt in Dänemark<br /> schon auf den 500 Kuh-Betrieb. Die Huma zahlte 2008 ( Konzernbilanz 2009 liegt noch nicht<br /> vor) für die Anteile anderer Gesellschafter am Unternehmen eine Dividende von 18,62 Prozent aus.  Und wo<br /> bleiben die Milchbauern ? Es wird endlich Zeit, dass die Genossen ( Eigentümer) das Heft<br /> des Handelns wieder selbst in die Hand nehmen.<br /> <br />  Weiterhin frohes Schaffen !<br /> <br /> ihr Karl-Dieter Specht<br /> <br /> <br /> <br /> <br /> <br />