Milchkrise: DMK will Milchmenge um 24 Prozent steigern!
Oder: Inflation des Wachstums! Wo bleibt das Angebot von Dr. Engel (Hochwald)?
Kommentar vom SV Karl-Dieter Specht
BERLIN. Deutschlands größter Milchverarbeiter, das Deutsche Milchkontor (DMK), soll weiter wachsen. Wie der Sprecher der DMK-Geschäftsführung, Dr. Josef S c h w a i g e r, gestern gegenüber dem Presse- und Informationsdienst AGRA-EUROPE deutlich machte, erwartet er in Europa eine weitere Konsolidierung auf dem Milchmarkt. Daher will er sicherstellen, dass das DMK im Konzert der Großen mitspielt. „In zwei bis drei Jahren wollen wir zweistellig sein”, sagte Schwaiger mit Blick auf die angelieferte Milchmenge (Quelle:AE)
Anmerkungen: Nun also doch! Als Nächster traut sich der Molkerei-Manager Dr. Schweiger des Deutschen Milchkontors ( DMK ) aus der Deckung und hat der Presse etwas zu sagen. Und was er sagt oder von seiner Pressestelle schreiben lässt, haben vorher schon andere Molkerei-Manger vollmundig offenbart: Er will mit dem DMK wachsen. Und wie! Nicht um 5-8 Prozent, wie die meisten seiner Kollegen; nein, es muss mehr sein! Um glatte 24 Prozent will Schwaiger jährlich die Milchmenge innerhalb von zwei Jahren steigern. Mit dieser Aussage schlägt er (bisher) alle Protagonisten, die sich auf diesem Feld so tummeln. Das muss er auch, denn er ist die Nummer Eins in Deutschland und will den anderen mal zeigen, was eine Harke ist!
Der Markt in China soll`s richten!
Den Markt in China und Russland hat Dr. Schwaiger im Blick. Da soll die Post so richtig abgehen. Fragt sich nur –wie? Dass die Drittlandsumsätze, insbesondere mit China, nur symbolischen Charakter haben, verschweigt Dr. Schwaiger geflissentlich, denn das passt so ganz und gar nicht in das Wachstumskonzept der Milchindustrie. Dass mit Pulver und Butter im Drittlandsgeschäft meistens auch kein Geld zu verdienen ist, verschweigt Dr. Schwaiger ebenfalls. Verdienen kann man nur mit Prämienprodukten im Drittlandsgeschäft und da sieht es beim DMK düster aus. Wenn Dr. Schwaiger „seine Umsatzzahlen“ in diesem Segment mal offenlegen würde, dann würden seine Ambitionen als „Lachnummer“ abgetan in Bezug auf einen angemessenen Milchpreis an die Milchbauern. Auch die Bedenken des Europäischen Rechnungshofes werden einfach bei Seite geschoben. Trotz aller Risiken steht der Bauernverband voll hinter dieser Wachstums-Inflation!
Dazu Milchbaron des DBV Udo Folgart: Das hat der für den Milchmarkt zuständige DBV-Vizepräsident Udo Folgart bei einem Gespräch mit den ehren- und hauptamtlichen Vertretern der Molkerei Nordmilch im niedersächsischen Zeven betont. „Es ist im harten Wettbewerb wichtig für den Milchstandort Deutschland, auch eine Molkerei als Leuchtturm zu haben.
Anmerkungen: Nun also doch ! Die Leuchtturmpolitik des DBV ist wieder da! Will Folgart dänische oder niederländische Verhältnisse in Deutschland? Soll der Molkereiwechsel für die Milchbauern erschwert werden? Will Folgart die Milchbauern auf Linie bringen? Hält er die Einflussnahme der Milchbauern in ihre Genossenschaft für ausreichend? Hält er die Verzinsung fremder Anteilseigner an den ausgelagerten Unternehmen der Genossenschaften von über 16 Prozent für angemessen? Wie steht er zur Kritik des Bundeskartellamtes an den Molkereigenossenschaften? Wie steht Folgart zum Wachstum auf Kosten der Milchbauern? Fragen über Fragen, die er gegenüber den Milchbauern einmal klar und deutlich beantworten muss!
Bauernverband: Dem Bauernverband zufolge findet die gut vorbereitete Fusion breite Zustimmung unter den Genossenschaftsmitgliedern.
Anmerkungen:Hier scheint der Wunsch Vater des Gedankens zu sein. Eine Blitzumfrage durch“ toparar „zeichnet ein anders Bild. Die Mehrheit der Befragten sieht keine Verbesserung ihrer Situation durch die Fusion. Insoweit können die Milchbauern den Markt besser einschätzen als das Management. Auch lässt Dr. Schwaiger die Katze nicht aus dem Sack, wie er denn das angestrebte exorbitante Wachstum finanzieren will angesichts der finanziellen Situation des Konzerns. Will er an den Genossen vorbei fremde Kapitalgeber mit ins Boot holen? Oder ? Oder?
Dr. Schwaiger: Derzeit werden dem DMK rund 6,7 Mrd. kg Milch pro Jahr angedient. Das Unternehmen war erst vor zwei Monaten aus der Fusion von Nordmilch und Humana Milchunion als den beiden größten genossenschaftlich organisierten Milchverarbeitern in Deutschland hervorgegangen. Schwaiger hatte zuvor die Nordmilch geführt. „Ich sehe die Fusion als einen ersten Schritt und möchte die Stärke, die aus solchen Zusammenschlüssen kommen kann, noch steigern”, sagte Schwaiger am Mittwoch beim Raiffeisentag in Berlin: Quelle: Age
Anmerkungen: Als Manager der Nordmilch und jetzt des DMK hat sich Schweiger nicht mit Ruhm bekleckert. In der Rangliste des Wertschöpfungsindexes (Nina Steffens Uni Göttingen) belegt (belegte) Nordmilch von 23 bewerteten Meiereien nur den 14.Platz. Durch die Fusion mit Humana ist das DMK auf Platz 11 gespült worden. Also nicht das Verdienst von Schweiger - sondern der Fusion geschuldet. Obwohl die Restrukturierung des neuen Unternehmens erst am Anfang steht und Erfolge sich bisher noch nicht abzeichnen, ist Wachstum schon heute das große Thema. Dr. Schwaiger will zu den großen Global-Playern aufsteigen. Aber die Anderen, wie Fonterra, Nestle, Danone usw. sind schon da! Sie lassen sich die Butter nicht einfach vom Brot nehmen, denn sie produzieren- im Gegensatz zum DMK - auch in den Gunststandorten der Welt. Dadurch bestimmen sie auf dem Weltmarkt die Preise zu denen „unsere“ Milchbauern nicht produzieren können. Wachstum in dieser Größenordnung bedeutet auch, dass zwangsläufig die Drittlandsmärkte bedient werden müssen. Und das geht nur auf Kosten des Milchpreises, den die Milchbauern bekommen. Übrigens: Vom Milchpreis scheint Dr. Schwaiger nicht mehr zu reden. Wachstum ist für Dr. Schwaiger das Gebot der Stunde!
Dazu der MIV: Der deutsche Milchpreis steht in der statistischen Mitte. Kleinere südliche Länder mit niedrigem Versorgungsgrad haben einen höheren Milchpreis, Länder mit hohem Exportanteil wie Irland liegen unter uns.
Und wie sieht es weltweit mit dem Wachstum aus?
2011 - (lid) – Das Wachstum der weltweiten Milchproduktion könnte sich dieses und nächstes Jahr auf 20 Millionen Tonnen pro Jahr verdoppeln.
Dies geht aus Schätzungen des Internationalen Netzwerkes für landwirtschaftliche Betriebsvergleiche (ICFN) hervor, wie aiz.info berichtet. 2010 betrug das Wachstum 11,8 Millionen Tonnen. Eine Steigerung auf 20 Millionen Tonnen wird erwartet, weil die derzeit international guten Produzentenpreise zu einer Mehrproduktion führen(Quelle: LID CH).
Dazu der Milch-Industrie-Verband (MIV): Angebot und Nachfrage regeln den Preis, das gilt auch am Milchmarkt. Steigt der Preis für Milchprodukte so schnell wie letzten Herbst, geht die Nachfrage zurück. Ein hoher Milchpreis fördert die Milchproduktion und Übermengen drücken dann auf den Markt. Auf der Nachfrageseite wirken hohe Produktpreise absatzdämpfend und verschlechtern die internationale Wettbewerbsposition(Quelle: MIV).
Anmerkungen:Angesichts eines angepeilten Milchmengen- Wachstums des DMK von über 20 Prozent im Jahr und einer zu erwartenden Produktionsausweitung weltweit von 20 Millionen Tonnen, ist natürlich die Frage berechtigt: Wie will Dr. Schwaiger diese Mehrmengen am Weltmarkt für die Milchbauern „kostendeckend“ platzieren? Auch da liefert der MIV eine verblüffende aber ehrliche Antwort.
MIV: Nimmt die Molkerei alle Milch ab? Bisher ja! Gerade genossenschaftliche Molkereien müssen die ihnen angediente Milch aufkaufen und ggf. schlecht verwerten.Aber auch private Molkereien kaufen alles an(Quelle: MIV).
Anmerkungen: Nun haben wir es Schwarz auf Weiß: Die unbegrenzte Abnahmegarantie dient Dr. Schwaiger dazu, den Milchpreis flach zu halten, damit er als „Global-Player“ auf dem Weltmarkt mitspielen kann. Wenn dann der Milchpreis in den Keller rutscht- infolge der Mehrmengen- dann ist das nicht“ Dr. Schwaigers“ schuld, der muss ja die angelieferte Rohmilch vermarkten. Die Milchbauern haben schuld – sie sind es - die wollen ja unbegrenzt liefern( von Dr. Schwaiger den Milchbauern wärmstens empfohlen)! So einfach kann Dr. Schwaiger sich der Verantwortung enziehen und diese den Milchbauern zuschieben. Bedauerlich ist nur, dass sich die Milchbauern ein solches Possenspiel auf ihre Kosten gefallen lassen. Wann endlich wachen die Milchbauern auf, um diesen Hasardeuren das Handwerk zu legen?
