Milchkrise: Molkerei-Manager sind zurzeit außer Rand und Band!
Milchkrise: Molkerei-Manager sind zurzeit außer Rand und Band!
Oder: Wer stoppt diese Kamikaze- Manager?
Kommentar vom SV Karl-Dieter Specht
Nun hat es den Chef der Milch-Union-Hocheifel (MUH) erwischt: Der Volksfreund titelte: MUH-Chef Rainer Sievers: Mission Zukunft hat begonnen! Der Vorstand legt nach: Mit Volldampf in die Zukunft!
Dazu Manager Sievers: Das Jahr 2010 wird in die Geschichte der Milch-Union Hocheifel als bedeutender Meilenstein auf dem Weg in einen liberalisierten Milchmarkt eingehen. Wir haben uns intensiv mit der strategischen Zukunftsausrichtung unserer Molkerei befasst", sagte Rainer Sievers. Bis Sommer 2013 wird die Muh in Pronsfeld rund 60 Millionen Euro investieren (der TV berichtete). Unter anderem entstehen ein Trockenturm, der stündlich fünf Tonnen Milchpulver herstellen kann, und eine Butterei. Zudem investiert das Unternehmen in die Milchanlieferung und die Milchbe- und –verarbeitung(Quelle: Volksfreund).
Anmerkungen: Der Bärenanteil der Investitionen geht in jene Bereiche ( Pulver und Butter), in denen die Milchbauern global nicht wettbewerbsfähig sind. Insoweit ist die Aussage von Manger Sievers, die Milchpreise haben noch Luft nach oben, angesichts seiner Unternehmensstrategie als sehr gewagt-um nicht zu sagen- als realitätsfremd zu bezeichnen.
Dr. Olaf Zinke( agrarheute): Für Europas Exporteure sind Neuseeländer und Australier die wichtigsten Konkurrenten im globalen Wettbewerb. Neuseeland, ein Land das nur knapp 15 % der europäischen bzw. 60 % der deutschen Milchmenge erzeugt, dominiert bei Vollmilchpulver, Butter und Magermilchpulver den Welthandel. Auch beim Käseexport sind die Neuseeländer, nach den Europäern, weltweit die die Nummer 2.
Anmerkungen. Wie Manager Sievers angesichts dieser Konstellation „sein Pulver und seine Butter“ auf dem Weltmarkt für die Milchbauern kostendeckend unterbringen will, muss er den Milchbauern mal erklären.
Manager Sievers legt nach: "Laut Satzung sind wir verpflichtet, die Milch unserer Bauern anzunehmen und müssen auch die Voraussetzungen dafür schaffen, die Milch zu verarbeiten und gut zu vermarkten", sagt Sievers. Und mit Blick auf den freien Milchmarkt 2015 rechnet man in der Eifel mit steigenden Milchmengen (fünf bis acht Prozent jährlich). Mit dem Ausbauplan sieht sich die Muh auf dem richtigen Weg in Richtung liberaler Milchmarkt. "Theoretisch könnten wir dann zwei Milliarden Kilogramm Milch im Jahr verarbeiten", sagt Sievers(Quelle: Volksfreund).
Anmerkungen:Wie Sievers die angepeilte Mehrproduktion von 5 – 8 Prozent am Markt unterbringen will, darüber macht sich Sievers keine Gedanken. Das braucht er auch nicht,
denn er muss ja alle angelieferte Milch der Milchbauern annehmen. Wie schön, dass es die Abnahmeverpflichtung gibt. Somit ist Sievers bei der Vermarktung der Mehrmilch –was den Milchgeldauszahlungspreis anbelangt - aus dem Schneider.
Und was machen die Anderen? – die legen ebenfalls nach!
EU antwortet: Die Milchanlieferung in der EU war in den ersten drei Monaten des Jahres 2011 rund 2,6 % höher als im Vorjahreszeitraum. In Frankreich war die Anlieferungsmenge im ersten Quartal sogar 7 % größer als vor einem Jahr, in Deutschland betrug der Zuwachs immerhin 2,8 % und im Vereinigten Königreich 4,5 %. In den großen Milchproduktionsländern Nordwesteuropas dürfte die ausgeprägte Trockenheit im Frühjahr jedoch Spuren in der Produktionsbilanz hinterlassen. Erste Hochrechnungen zeigen, dass die Anlieferungsmenge im Mai in Frankreich nur noch 2 % über dem Vorjahr lag und in Deutschland möglichweise sogar darunter(Quelle: agrarheute).
Ozeanien antwortet: Angesichts der anhaltend robusten Nachfrage vom Weltmarkt und der ebenfalls hohen Erzeugerpreise sowie der günstigen Witterungsbedingungen, rechnet man für beide Länder ( Australien u. Neuseeland) in der kommenden Saison mit einer Expansion der Milchkuherden, der Milchproduktion und vor allem auch des Exports. Derzeit erwarten die Neuseeländer für 2011 eine neue Rekordmarkte bei ihren Exporten -vor allem bei Milchpulver-(Quelle: agrarheute)
Dazu Dr. Torsten Hemme vom IFCM ( International Farm Comparision Center):
Die Milchproduktion steige derzeit vor allem in Indien, Pakistan, China und darüber hinaus in Afrika(Quelle:SZ)
Anmerkungen: Ein Blick über den Tellerrand genügt, um festzustellen, dass die Milchproduktion international hochgefahren wird. Was bedeutet das für Deutschland? Mit zunehmender Produktionsausweitung wird der Weltmarktpreis für Milchprodukte von jenen Ländern bestimmt, die über die günstigsten Produktionsbedingungen verfügen. Waren bisher Schutzzölle und Exportbeihilfen die Instrumente der Milchindustrie, um ihre nicht wettbewerbsfähigen Milchprodukte auf dem Weltmarkt abzusetzen, fallen diese in Zukunft (fast) gänzlich weg. Lediglich Milchprodukte im Wert von zirka 2,3 Mrd. Euro kann Europa gemäß der WTO-Obergrenze auf dem Weltmarkt zurzeit (noch) runter-subventionieren. Dann ist Schluss! Danach schlägt der Weltmarkt voll auf den Milchpreis durch. Vor diesem Hintergrund ist es unverständlich, dass weiter auf Wachstum gesetzt wird, obwohl der Verbrauch für Milchprodukte in Europa stagniert. D.h. im Klartext: Die Überproduktion muss auf dem Weltmarkt abgesetzt werden. Und was das bedeutet, hat die letzte Milchkrise eindeutig aufgezeigt. Nun sind sich die meisten Fachleute einig, dass nur Prämienprodukte mit einer hohen Wertschöpfung erfolgreich (für die Milchbauern) auf dem Weltmarkt platziert werden können. Und was tun die Molkerei-Manager? Sie investieren in Trockentürme für Milchpulver und in die Butterproduktion, also in jene Produkte, in denen sie (wenn sie an die Milchbauern denken) nicht wettbewerbsfähig sind. Mit ihren Investitionen nehmen sie billigend einen nicht kostendeckenden Milchpreis für die Milchbauern in Kauf. Und das Ganze verkaufen sie als Mission Zukunft. Bin mal gespannt, welcher Meierei-Manager als Nächster aus der Deckung kommt!