Milchkrise: Dunkle Wolken am Weltmarkt-Horizont?
Milchkrise: Dunkle Wolken am Weltmarkt-Horizont?
Oder: Volatilität – das Zauberwort der Wachstumsfetischisten!
Kommentar vom SV Karl-Dieter Specht
Anmerkungen: Mitten im Wachstumsgeschrei der industriellen Milchlobby platzt die Meldung, dass der Höhenflug des Milchpreises im vierten Quartal des Jahres zu einem Tiefflug ansetzten wird. Vertreter der Rabobank (Coöperatieve Centrale Raiffeisen-Boerenleenbank B.A.) gehen von deutlichen Preisrückschlägen aus.
Was ist passiert?
Ø Läger in China und Russland sind voll!
Ø Die Milchproduktion wird in Ozeanien ausgebaut!
Ø Global-Player der Milchindustrie forcieren die Milchproduktion in den Gunststandorten!
Ø Investmentgesellschaften investieren in Milchfarmen!
Ø Mittelrückfluss von 168 Prozent in 7,5 Jahren!
Ø Europa weitet ebenfalls die Milchproduktion aus!
Ø Hier: DMK und andere wollen den Weltmarkt erobern!
Exkurs:
Als historische Volatilität bezeichnet man die Volatilität, die man aus Zeitreihen historischer Wertänderungen ausrechnet. In Value-at-Risk-Modellen zur Messung von Marktpreisrisiken finden historische Volatilitäten als Schätzer für zukünftige Schwankungsbreiten Eingang. Die historische Volatilität wird im Börsenumfeld meist als Jahresvolatilität angegeben. Hierzu wird normalerweise die auf Basis von Tagesdifferenzen errechnete Volatilität mittels der Wurzel-T-Regel auf ein Jahr hochskaliert.
Implizierte Volatilität: Im Unterschied zur historischen Volatilität beruht die implizite Volatilität nicht auf historischen Zeitreihen. Sie wird vielmehr aus den Marktpreisen von Optionen abgeleitet. Die implizite Volatilität ist die Volatilität des Basiswertes einer Option, die, in ein Optionspreismodell (z. B. Black-Scholes-Modell) eingesetzt, gerade den beobachteten Marktpreis der Option ergibt( Quelle: Wikipedia)
Anmerkungen: Aha, nun wissen wir es! Es gibt einmal die historische Volatilität und einmal die implizierte (spekulative) Volatilität. Von den Global-Playern wird zunehmend Volatilität als spekulatives Objekt der Marktbeeinflussung verstanden und verkauft das den Milchbauern als eine unabänderliche Gesetzmäßigkeit des Marktes.- Demnach alternativlos! Man kann also, so die Wachstumsfetischisten, daran nichts ändern. Das ist eben Markt!Wer diese Herausforderung des Marktes nicht annimmt, der möge bitte aussteigen. Jeder, der dieses System nicht anerkennt, ist entweder ein Versager oder versteht nichts vom modernen Unternehmertum. So die Argumentation der Wachstumsfanatiker. Mit dieser Argumentationskette versuchen die Wachstumsfanatiker Ihre wahren Absichten zu verschleiern. Ihre Absicht ist klar zu erkennen: Sie wollen den globalen Markt, um wachsen zu können. Denn in Europa lässt sich kein Wachstum mehr generieren. Dieser globale Markt ist geprägt von unterschiedlichen Produktionskosten der Marktteilnehmer (Milchbauern). Die Streubreite der Produktionskosten liegt zwischen zirka 20 Cents/kg/ Milch (Ozeanien) und zirka 40 Cents/kg Milch( Europa). Die Produktionskosten sind in Europa also um 100 Prozent höher als im „Rest der Welt“. Das bedeutet, dass jeder europäischen Angriff auf den Weltmarkt, der das Gleichgewicht stört, zu Einkommensverlusten der Milchbauern führt. Insbesondere dann, wenn diese Marktrealitäten nicht anerkannt werden und ständig auf Wachstum gesetzt wird. Dieser Kampf um den Weltmarkt ist nicht zu gewinnen. Es sei denn, man setzt die bäuerlichen Milchviehbetriebe aufs Spiel. Darüber hinaus führt ein offensiver Druck auf den Weltmarkt zu Milchpreisen in Europa, die nicht kostendeckend sind. Das hat zur Folge, dass die Milchbauern in Europa Verluste einfahren; hingegen die Milchbauern der Gunststandorte( Ozeanien) noch Gewinne erwirtschaften. Im Klartext: Volatilität, wie von den Wachstumsfetischisten gefordert, heißt: Kapitalmäßige Auszehrung der bäuerlichen Milchviehbetriebe zugunsten industrieller Strukturen. Volatilität ist also nicht Gott gewollt, sondern wird durch die Milchindustrie gesteuert.