Milchkrise : Ein Marktradikaler aus Schleswig-Holstein unterwegs ! Teil 1

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

 

 Milchkrise :                         Ein Marktradikaler aus Schleswig-Holstein  unterwegs !

 

Schleswig – Holstein: Bauernpräsident Schwarz zu Gast in Sulzbach

zum Bauerntag

am 26. Februar 2010

in Sulzbach/Murr

 

Thema :

 

Der Landwirt als Unternehmer:

Utopie, Reizwort oder Realität?

 

Hier: Auszüge seiner Rede mit  .............. Anmerkungen!

 

 

 

Sehr geehrter Herr Mugele ( ebenfalls ein Marktradikaler)

meine Damen und Herren,

liebe Berufskolleginnen und -kollegen.

 

Ich freue mich, heute in einer Region sein zu dürfen, die nicht nur landschaftlich sondern auch wirtschaftlich von der Landwirtschaft geprägt und bestimmt ist. Seien es die Schweine- und Truthahnhaltung, die Milcherzeugung oder auch der Anbau von Sonderkulturen: Mit Ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit sorgen Sie dafür, dass der ländliche Raum lebt. Der Natur-, aber auch Kulturraum lebt davon, dass wir da sind.

 

Anmerkung: Nach Angaben der Landwirtschaftsministerin in Schleswig-Holstein, Juliane Rumpf,

sind In Schleswig-Holstein 450.000 ha/LN überdüngt und gefährden die Gewässer. Maßnahmen, um dieses Problem zu lösen, stoßen beim Bauerverband auf erbitterten Widerstand.

 

Ich meine, dass wir für die Vielfalt an Aufgaben, die wir praktisch neben unserer Arbeit erledigen, eigentlich unsere Berufsbezeichnung ändern sollten: LandwErtschaft wäre besser. Und doch gilt, dass wir hauptsächlich davon leben, was wir am Markt verkaufen können.

 Anmerkung: Dies wird durch den Sonderbericht des EU- Rechnungshofes widerlegt: Seit der Reform der GAP steigt  der Anteil der Ausgleichszahlungen am Einkommen der Landwirte immer stärker, dies trifft im Besonderen für den Milchsektor. In Schleswig-Holstein wird der Gewinn je Betrieb (wenn es denn einen gibt) zu 40 Prozent aus staatlichen Transferleistungen gespeist.

 

Deshalb freue ich mich darauf, heute mit Ihnen ein spannendes aber gleichzeitig lebensnotwendiges Thema aufgreifen zu können. Denn unser Vorsprung besteht vor allem im besseren Know-How. Das gilt für die Produktionstechnik aber ebenso für den Markt.

 

Anmerkung: Was ist damit gemeint? Sich  von vornherein schon als besseren Landwirt zu bezeichnen halte ich für weltfremd, da unsere Mitbewerber auch wirtschaften können. Was den Markt anbetrifft, so bildet Schleswig-Holstein das Schlusslicht( siehe Milchgeldauszahlungspreis).

 

Unternehmer als Reizwort

Liebe Berufskolleginnen und –kollegen.

Der landwirtschaftliche Unternehmer - das ist sicherlich auch für manch einen unter Ihnen ein Reizwort. Und doch ist dieses Thema von elementarer Bedeutung für die Zukunft unserer Landwirtschaft. Denn wer soll sich dem Markt stellen, wenn nicht der Unternehmer,

  • der die Sache mit Eifer anpackt,
  • der Verantwortung für seinen Betrieb übernimmt,
  • der nicht den monatlichen Gehaltsstreifen, sondern die kommende Generation im Blick hat?

 

Anmerkung:  Nicht der Markt allein ist entscheidend für die Zukunft unserer Landwirtschaft sondern die Marktbedingungen, die einen Markt erst möglich machen( siehe Finanzkrise).

 

Darüber müssen wir miteinander reden. Deshalb bin ich heute gerne zu Ihnen gekommen. Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg, was könnte unterschiedlicher sein? Doch eines haben wir gemeinsam: Die klare Sprache. Ich werde daher heute kein Blatt vor den Mund nehmen, nur um einen guten Eindruck zu hinterlassen. Das hilft Ihnen nicht und dafür bin ich nicht so weit gereist.

 

Grundlagen des Marktes

Liebe Berufskolleginnen und -kollegen.

Ich weiß nicht, ob Sie meinen Eindruck teilen, dass uns im Moment leider die Grundlagen für eine echte Diskussion abhanden gekommen sind. Zwar sprechen Bauernverband und BDM gleichermaßen vom Markt, sie meinen aber etwas völlig anderes.

 

 Anmerkung: Wie sollen denn die Grundlagen aussehen?

 

 

Anmerkung: Man kann dieser Aussage zustimmen, doch bevor man zur Pilatusfrage kommt, sollte erst definiert werden, was eine „echte Diskussion“ überhaupt ist.

 

Die Pilatusfrage lautet: „Was ist Wahrheit?“ In diesem Fall: „Was ist der Markt?“

 

Lassen Sie uns kurz in dieses Thema einsteigen, damit wir wieder festen Boden unter den Füßen bekommen und endlich mit handfesten Argumenten diskutieren und damit wieder zu etwas mehr Gemeinsamkeit kommen.

 

Was ist Markt? Adam Smith, der Begründer der Nationalökonomie beschreibt die Funktionsweise des Marktes so:

 

„Wir erwarten uns unser Essen nicht von der Wohltätigkeit des Fleischers, Brauers oder Bäckers, sondern von deren Bedacht auf ihre eigenen Interessen und wir wenden uns nicht an ihre Menschlichkeit, sondern an ihre Eigenliebe.“

Anmerkung:Quelle:Wikipedia http://de.wikiquote.org/wiki/Adam_Smith#Zitate_mit_Quellenangabe

 

Damit ist eigentlich alles gesagt. Jeder Mensch handelt, zumindest im Markt, aus Eigennutz. Das werden wir auch nicht ändern. Damit müssen wir leben. Oder wir nutzen es. Smith hat erkannt, wozu nur das Marktsystem in der Lage ist: Nämlich, den Eigennutz des Menschen zu kanalisieren. Darf der Einzelne sein Eigeninteresse verfolgen, dann dient er zugleich, ohne es wirklich zu beabsichtigen, der Gesellschaft - wie von einer „unsichtbaren Hand“ gelenkt.

 

Das macht den Markt so erfolgreich. Damit ist allerdings auch eine Warnung verbunden. Denn diese unsichtbare Hand streichelt den, der sich dem Markt anpasst. Sie ohrfeigt aber den, der sich einer Anpassung verweigert.

 Anmerkung: Zunächst einmal ist festzustellen, dass der Markt nicht alles ist. Er ist das Ergebnis wirtschaftlicher Tätigkeit und führt für sich genommen zu sozialen Verwerfungen( siehe u.a. die USA u. Südamerika). Ein sich selbst regeln durch eine „unsichtbare Hand“ ist frühkapitalistischer Wissensstand. Deshalb ist es wichtig, diese unsichtbare Hand sozial zu bändigen:

 Wer an den Marktrealitäten vorbei produziert, wird einzelbetrieblich keinen Erfolg haben. Wenn ein kompletter Sektor an den Marktrealitäten vorbei produziert, wird der komplette Sektor „geohrfeigt“. Genau diese Situation erleben derzeit die Milcherzeuger, da jegliche notwenige Mengenanpassung, besonders von Seiten des Bauerverbandes,  verhindert worden ist( siehe auch den Bericht des Europäischen Rechnungshofes ).

 

Die Rolle des Preises

In der Marktwirtschaft regelt sich alles nach Angebot und Nachfrage. Das ist nicht neu, jedoch entscheidend!. Doch diskutieren wir um die Rolle des Preises. Der Preis ist in diesem Spiel kein Schiedsrichter, sondern nur der Ball. Der Ball ist nicht fair oder unfair. Er hält nur das Spiel am Rollen. Auf die Spieler kommt es an, ob das Spiel gewonnen wird.

 

Wenn Stuttgart ein Fußballspiel gewinnt, dann feiern Sie doch auch nicht den Ball für sein faires oder gerechtes Verhalten. So ist es auch mit dem Preis. Wer über faire Preise redet, hat das Spiel nicht begriffen. Das sind harte Worte. Noch härter ist es allerdings, diese Worte nicht auszusprechen. Denn wer das Spiel nicht begreift, der sitzt schnell auf der Ersatzbank. 

Anmerkung: Diese stupide Metapher ist vollkommen ungeeignet, die Rolle des Preises in der Marktwirtschaft zu  erklären. Um trotzdem bei dieser Metapher zu bleiben: Der Preis ist allenfalls vergleichbar mit dem Ergebnis des Spiels, nicht mit dem Ball.

 

Ist der Preis niedrig, sorgt das für Aufruhr unter den Betroffenen. Das ist verständlich. Aber es bleibt dabei: Die Schuld hat nicht der Preis. An dieser Stelle einmal die Frage, warum es nicht klappt mit den fairen Preisen? Die Forderung ist ja ein edles Anliegen.

 

Es gibt ein einziges Problem: Der Verbraucher meint damit einen möglichst niedrigen und der Erzeuger einen möglichst hohen Preis. Hier klafft eine große Lücke. Hier finden wir nicht zusammen. Doch der Markt kennt keine Lücken, er schließt sie – über den Preis. Damit sind wir bei der einzigen wirklich fairen Lösung: Dem Marktpreis.

 

Anmerkung: Die Rolle des Preises nun mit  einem Fußballspiel zu vergleichen ist nun völlig daneben. Bei einem Fußballspiel wird unter „gleichen Bedingungen und am gleichen Platz“, nach gewissen Regeln, über Sieg und Niederlage entschieden. Und diese gleichen Bedingungen finden wir am“ Markt der Preisbildung nicht vor“. Unterschiedliche Voraussetzungen und unterschiedliche Strukturen lassen, insbesondere in der Landwirtschaft, keine Preisbildung auf Augenhöhe zu.

 Markt ist der Ort, wo Angebot und Nachfrage aufeinander treffen! Er agiert nicht selbst, sondern die Akteure sind die Anbieter und die Nachfrager! Deren Verhalten bestimmt den Preis, nicht der Markt!! Hier soll jedoch  suggeriert werden, der Landwirt als Anbieter habe keinen Einfluss auf den Preis

 

Wert eines Produktes

Liebe Berufskollegen.

Was wir begreifen müssen, ist folgendes: Der Preis sagt nichts aber auch gar nichts über den Wert eines Produkts aus. Er beziffert lediglich den momentanen Handelswert - unabhängig von den Herstellungskosten. Das möchte ich betonen:

 

Der Preis sagt nichts über den Wert eines Produktes aus, sondern beziffert lediglich den momentanen Handelswert - unabhängig von den Herstellungskosten. Nur dafür ist der Preis da.

 Anmerkung:  Der momentane Handelswert  eine Produktes wird  u.a. durch Angebot und Nachfrage bestimmet. Wenn das Angebot zu knapp ist, steigt der Preis. Ist das Angebot zu groß, sinkt der Preis. Eine Binsenweisheit, die auch der Bauerpräsident schon verstanden hat.  Das Ergebnis dieser Binsenweisheit lässt sich heute bei der Milch klar erkennen. Die Milchpreise liegen

aufgrund der Überproduktion am Boden. Konsequent wäre also, darüber nachzudenken, wie man die Überproduktion in den Griff bekommt. Nur auf die diese Idee kommt Schwarz nicht. Im Gegenteil: Wachsen ist seine Devise(wachsen löst nicht das Problem sondern ist Teil des Problems)! Die Milchproduktion des Gunststandortes Schleswig-Holstein soll von 2,3 Mio. auf 4,0 Mio. t waschen. Herr Schwarz möge sich mit seinen Verbandskollegen abstimmen, denn in deren  Ländern soll die Milchproduktion ebenfalls wachsen, wer zuerst wachsen darf. Oder alle zusammen?  Wäre auch möglich, denn  für die Überproduktion ist ja der Staat da!

 

Meine Damen und Herren.

Wer dies begreift, hat viel vom Wesen des Marktes verstanden. Und nur wer versteht, kann reagieren. Das ist auch der Grund, warum der Bauernverband trotz des Gegenwindes so sehr darauf dringt, dass wir uns mit diesem Thema beschäftigen. Denn wir wollen nicht, dass die erfolgreiche deutsche Landwirtschaft aus dem Markt geworfen wird, weil man ihr die Tatsachen vorenthalten hat.

Anmerkung: Eine erfolgreiche deutsche Landwirtschaft kann gar nicht aus dem Markt geworfen werden. Eine Landwirtschaft, die zu Preisen produziert, welche die Kosten nicht decken, wird jedoch nicht erfolgreich sein und sich daher zwangsläufig vom Markt verabschieden. Dies wird dann eintreten, wenn man der Landwirtschaft ständig falsche Tatsachen vorgaukelt. 

 

Ich sage es Ihnen ganz deutlich: Eine Definition des Marktes, wie sie vom BDM vertreten wird, hat mit dem echten Markt nichts zu tun.

Anmerkung: Schwarz hat seine Definition des Marktes vorgetragen, wie sie nirgends in der allgemein anerkannten Ökonomie zu finden ist, hat Grundlagen der Marktlehre auf perfide Art verzerrt dargestellt. Und dann wird die BDM-Definition des Marktes kritisiert, ohne zu sagen, wie der BDM  den Markt definiert und was daran angeblich falsch sein soll. 

Und wer dem Preis ins Handwerk pfuscht, der verabschiedet sich vom Markt. Die Folgen muss er selber tragen.

Anmerkung: Die Feststellung des Marktradikalen Schwarz ist schon ein Stück aus dem Tollhaus!  Der Sektorenbericht des Bundeskartellamtes sieht das ganz anders. Insoweit muss man nüchtern feststellen, dass die marktwirtschaftlichen Zusammenhänge von Schwarz (noch) nicht verstanden werden.

Jetzt ist der Preis schon zum eigenständigen Akteur avanciert!

 

Rahmenbedingungen sind nötig

Natürlich braucht der Markt einen Rahmen. Das bestreitet im Vaterland der Sozialen Marktwirtschaft sicherlich niemand. Die Freiheit des Marktes bedarf der sozialen Kontrolle. Doch darf mit unserer Wettbewerbsordnung keine Sozialpolitik betrieben werden. Was meine ich damit? Lassen Sie es mich an einem Beispiel erklären:

 

Wenn der Staat armen Milchbauern helfen will, dann ist das richtig und gut. Aber er sollte ihnen nicht helfen, weil sie Milchbauern sind, sondern weil sie arm sind. Und er sollte ihnen nicht über die Markt-, sondern über die Sozialpolitik helfen. Das, meine Damen und Herren, ist soziale Marktwirtschaft in Reinform! So einfach ist das.

Anmerkung: Die soziale Marktwirtschaft ist etwas anderes, als  Schwarz es hier darstellt. Das Prinzip, das Schwarz hier anführt, ist besser beschrieben mit: Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren. Soziale Marktwirtschaft sollte durch Regeln, die von der Regierung vorgegeben werden, einen Wettbewerb garantieren, der, im Kontext mit den Interessen der Bevölkerung, verhindert, dass Milchbauern „arm“ werden! 

 

Hilfe in der Not: Ja. Aber im Markt helfen wir uns selber! Diese Überzeugung macht den Unternehmer aus.

  • Der Erfolg Deutschlands,
  • das Wirtschaftswunder nach dem zweiten Weltkrieg
  • und auch unser sozialer Friede ist allein auf diese soziale Art der Marktwirtschaft zurückzuführen.

 

Anmerkung: Wie soll denn die Selbsthilfe aussehen?

Hier die offizielle  Definition des Marktradikalen:

„Für den Bauernverband Schleswig-Holstein sind die Betriebe für den „freien Markt“ gerüstet. Der Staat soll nur Aufgaben wahrnehmen, die der Markt nicht leisten kann. Dafür wird er gebraucht und nicht als Mitspieler am Markt.“  Im Klartext: Wir produzieren auf Teufel komm raus. Wenn der Markt dann zusammenbricht, ist der Staat (Steuerzahler) gefordert.

 

 

               Markt tut weh

Natürlich tut der Markt weh. Das merken auch wir Schleswig-Holsteiner. Wir haben ohne Frage gut aufgestellte Betriebe in der Landwirtschaft. Unsere Milcherzeuger gehen große Schritte in die Zukunft. Doch sie büßen heute dafür, dass sich unsere Meiereien Jahrzehnte lang auf die Intervention gestützt haben. Diese Produkte will heute niemand haben und wenn doch, dann zu niedrigsten Preisen.

Anmerkung: Es ist schon etwas seltsam, dass von Seiten des Bauernverbandes auf die Möglichkeit nicht hingewiesen wurde, dass der Preis für eben diese Produkte, welche die „Schleswig- Holsteinischen Meiereien seit Jahrzehnten herstellen, absacken könnte, wenn die Produktion durch die Ausweitung der Quotenmengen ansteigt. Jeder, der sich auch nur ansatzweise mit Marktmechanismen beschäftigt hat, wird dies bestätigen. Der Bauerverband war (ist?) an dieser Entwicklung mitbeteiligt. Auch der Bauernverband hat sich in der „Hängematte Intervention“ lange wohl gefühlt. Siehe seine ehem. Anteile am Butterwerk Hohenwestedt. Diese dienten der Absicherung von Pensionen seiner Bosse. Im Gegensatz zum Bauernverband, der seine Anteile retten konnte, haben viele Bauern ihr Milchgeld bei der Auflösung des Verbundes nicht mehr bekommen. Darüber hinaus ist zu hinterfragen, mit  welchen Kalkulationsgrundlagen unsere Milcherzeuger große Schritte in die Zunft machen? Wie viele von den 4.800 Milchviehbetrieben in Schleswig-Holstein wagen denn diesen großen Schritt angesichts eines Verlustes von 6,5 Cents je kg Milch?

 

Ich sage Ihnen auch als Schweinehalter: Der Markt kann ganz schön weh tun. Doch ich warne zugleich davor, diesem Schmerz auszuweichen. Gewinnen wird, wer sich vom Markt auf Wettbewerbsfähigkeit schleifen lässt. Das ist nicht immer angenehm - aber äußerst erfolgreich.

 

 

 

Anmerkung: Angesichts der wirtschaftlichen Lage nahezu der gesamten Branche ist dieser Appell an die Leidensfähigkeit nur noch makaber!

 

Am Scheideweg

Meine Damen und Herren.

Unsere Landwirtschaft ist an einem historischen Scheideweg angelangt. Wir müssen uns klar darüber werden, was wir wollen:

  • Wollen wir Abschottung oder Weltmarkt?
  • Risikominimierung oder maximale Chancen?
  • Schutz der Produktion oder Lohn der Leistung?

Landwirte sind selbstständige Unternehmer. Als solche arbeiten sie nicht nur selbst und ständig, sondern sie unternehmen auch etwas!

Der Unternehmer akzeptiert als einzige Konstante im Wirtschaftsleben die stetige Veränderung. Und er akzeptiert es nicht nur, er macht daraus eine Chance.

Anmerkung: Die von Schwarz dargestellten Alternativen sind zu banal und zu einfach gestrickt. Natürlich ist der Weltmarkt ein lohnendes Betätigungsfeld, wenn denn die Kostenseite stimmt. Im arithmetischen Mittel betrug der Weltmarktpreis für Milch in den letzten neun Jahren 20,5 Cents/kg. gegenüber den Produktionskosten von 39,54 Cents/kg Milch in Schleswig-Holstein. Gemäß Handelsgesetzbuch gilt in der unternehmerischen Tätigkeit das Vorsichtigkeitsprinzip als Maßstab unternehmerischen Handelns und nicht  „schwarz“ oder weiß.

 

 

Ich vergleiche es mit der Diskussion im Naturschutz. Auch dort gibt es den Streit zwischen einer statischen und einer dynamischen Betrachtung:

  • Darf sich eine Landschaft verändern?
  • Was wollen wir schützen: Den aktuellen Zustand oder die Anpassungskraft der Natur?

 

Landwirte vertreten hier eine dynamische Auffassung. In langen Jahrhunderten haben wir uns an die Widrigkeiten und Zwänge der Regionen angepasst: Berghänge bei Ihnen, Sandböden in Brandenburg, nasse Niederungswiesen und Inseln bei uns. Daraus ist eine Vielfalt an Landschaften entstanden, die wie heute so schätzen und bewahren möchten.

Anmerkung: Auch hier eine völlig unzulässige Vereinfachung der Dinge. Der dynamischen Auffassung ist in der Argumentation von Schwarz das Bewahren völlig fremd. D.h. bei Verringerung der Rentabilität fallen Berghänge, Sandböden und Niederungswiesen aus der Produktion, was dann mit der dynamischen Auffassung gerechtfertigt wird. Im Grunde ist mit einer solchen Argumentationsschiene alles zu rechtfertigen.

 

Meine Damen und Herren.

Diese Vielfalt ist aus der Not heraus geboren, weil Betriebe sich an bestimmte Zwänge anpassen mussten. Natur ist nicht statisch, sondern sie lebt. Wer sich damit arrangiert und sich dieses zu Nutze macht, der ist langfristig im Vorteil.

 

Dynamik statt Ruhe

Dasselbe gilt für den Markt. Nur wer sich bewegt ist lebendig. Der Markt ist dynamisch und nicht statisch. Ich sage Ihnen heute ganz deutlich: Sicherheit, Ruhe werden Sie im Markt nicht finden. Das findet im Übrigen auch der Arbeiter bei Mercedes oder Porsche nicht. Wer Ruhe sucht, sollte in den Beamtenstand wechseln.

 

Ruhe wird es im Markt deshalb nicht geben, weil Ungleichgewichte die Voraussetzung für eine gesunde, dynamische Wirtschaft sind. Märkte entwickeln sich ständig und dynamisch. Märkte sind ihrer Natur nach immer im Ungleichgewicht durch neue Produkte, neue Methoden, neue Märkte, neue Strukturen.

Anmerkung: Ansichten und Banalitäten aus der Mottenkiste. Nicht der Markt ist das Entscheidende sondern die Regeln, die den Markt bestimmen.

 

Gerade in einem gesättigten Markt wie unserem deutschen Lebensmittelmarkt ist dieses dynamische Element unsere große Chance: Denn es gibt uns immer wieder die Möglichkeit, Marktanteile zu erobern, allerdings nur, wenn wir innovativer, schneller, besser sind als andere. Viele Meiereien in Süddeutschland machen uns vor, wie das geht.

 

Diese Dynamik des Marktes ist vielen nicht ganz geheuer.

Anmerkung: Hier muss man durchaus noch etwas differenzieren. Nicht umsonst wurde in der Bundesrepublik die soziale Marktwirtschaft erfunden, wie Schwarz vorher bereits bestätigt hat. Der Hintergedanke der Erfinder war ja der, einen möglichst großen Nutzen der Marktwirtschaft für die Bevölkerung zu erreichen, und gleichzeitig die Auswüchse der freien Marktwirtschaft auf ein notwendiges Maß zu beschränken. Dies bedeutet, dass gleichzeitig keine Angst vor der Dynamik einer Marktwirtschaft ausgelöst wird.

Doch ich möchte Ihnen heute die Angst davor nehmen. Daher drücke ich es einmal positiv aus:

Wann haben wir eine echte Wirtschaftskrise? Wenn es keine Ungleichgewichte mehr im Markt gibt, die es zu lösen gilt.

 

Anmerkung: Ausfluss des Wirtschaftstheoretikers Schwarz. Hier muss er noch nachlegen!

Meint Schwarz damit, dass ausgeglichene Märkte „echte Wirtschaftskrisen“ sind?

Interessante Definition von Begriffen! Die Zukunft wird zeigen, ob dieser Ansatz von Schwarz eine revolutionäre Marktlehre wird oder nicht!

 

Landwirte sind Problemlöser

Wir leben in einer besonderen Zeit. Selten zuvor war so vieles ungelöst. Und das meine ich nicht allein auf die Wirtschaftskrise bezogen. Im Moment haben wir eine Hochkonjunktur für Problemlöser.

Landwirte sind dabei ein Schlüssel zur Lösung. Es geht um

·         die Sicherung der Welternährung (das ist unsere Hauptaufgabe)

·         den Schutz des Klimas (unsere Kulturpflanzen sind der beste CO2-Staubsauger)

·         die Pflege unserer Natur und Umwelt(aber auch unserer Kulturlandschaft und den Erhalt des ländlichen Raums)

·         die Erzeugung erneuerbarer Energien und Rohstoffe. (Agrarrohstoffe gehören auf den Teller und in den Tank. Alles andere wäre nicht nachhaltig.)

 

Das hören Sie heute sicherlich das hundertste Mal. Ich betone es aber, weil wir uns bereits seit einiger Zeit auf ein neues gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht zu bewegen, in dem die Agrar- und Ernährungswirtschaft eine Schlüsselrolle spielen wird.

 

Es ist eine Zeit für Unternehmer, für Pioniere. Hören wir auf, über Krisen zu reden. Wer zuerst die Chancen wahrnimmt, der gewinnt die Zukunft, auch in der Milch!

Anmerkung: Die Michbauern müssen heute überleben, wenn sie denn (noch ) eine Zukunft haben wollen!

 

Gleiche Regeln im Milchmarkt

Natürlich ist ein Milchpreis von 18 Cent, wie wir ihn zeitweise in Schleswig-Holstein bekommen haben, ein absoluter Skandal. Damit kann niemand leben. Und wir gehen massiv an die Politik ran, die uns über eine solche Durststrecke hinweghelfen muss. Und trotzdem sind wir als Bauernverband nicht dafür, die Erzeugung zu beschränken. Denn das belohnt am Ende nur die Leistungsverweigerer.

 Anmerkung: Der von Schwarz propagierte gnadenlose Wettbewerb führt zur finanziellen Auszehrung der Betriebe. Insbesondere werden jene Betriebe das merken, die gemäß der Parole von Schwarz dynamisch invertiert und das Vorsichtigkeitsprinzip außer Acht gelassen haben. Unfair ist, wer 50-75 Prozent der schleswig-holsteinischen Milchbauern einfach so abschreibt und sie als Leistungsverweigerer betitelt. Ein ungeheuerlicher Vorgang in einem Berufsverband, der seinesgleichen sucht. Konsequenz: Mitgliedschaft kündigen! 

 

Daher halte ich es für unfair, mit Forderungen zu arbeiten, die sich als unerfüllbar erweisen werden. Die Quote läuft aus. Punkt!  Das ist politischer Mehrheitswille in den EU-Mitgliedstaaten und es ist die klare Richtung der EU-Kommission. Das wird sich auch unter einer neuen Leitung nicht ändern. Ich gebe es nur ungern zu: Aber die EU-Kommission ist noch sturer als man es uns  Norddeutschen nachsagt.

 

Anmerkung: Unfair ist, wer ständig nach Gründen sucht, um ein Marktgleichgewicht nicht entstehen zu lassen. Selbst der Europäische Rechnungshof mahnt dieses Gleichgewicht an.

 

 

Meine Damen und Herren.

Erstmals erfährt auch die Milch die Höhen und Tiefen des Marktes hautnah
Das ist schwierig. Aber ich sage Ihnen auch: Je tiefer der Preis jetzt sinkt, desto schneller und höher wird er nach der Krise steigen! Das ist Markt. Und es ist allemal verlässlicher als jede Politik. Und wir sehen Tendenzen, dass der Markt sich erholt.

 Anmerkung: Das Prinzip Hoffnung verkauft der Bauernverband seit langer Zeit. Solange die Überproduktion anhält, wird sich an der miesen Situation nichts ändern.  Die Milchbauern brauchen hier und heute marktkonforme Entscheidungen. Ansonsten hat sich das Thema von selbst erledigt!

 

Die Quote hat noch nie für Planungssicherheit gesorgt. Lassen wir das den Markt regeln.
Mancher Milcherzeuger reagiert und drosselt seine Produktion. Andere allerdings, die dringend auf frische Liquidität angewiesen sind, überliefern.   Ich werde mich hier nicht zum Richter über einzelbetriebliche Entscheidungen aufspielen. Auch solche Entscheidungen gehören zum Unternehmertum!


Anmerkung: Hier wird ein Kernproblem angesprochen: einzelbetrieblich richtige Entscheidungen führen in Summe am Markt in die Katastrophe. Um dies zu verhindern, sind allgemeingültige Rahmenbedingungen/Regeln erforderlich. Genau diesen verweigert sich Schwarz, respektive der Bauernverband, jedoch offensichtlich.  

 

Marktchancen

Lassen wir uns nicht schrecken vom Gedanken an einen freien Markt! Wir haben die allerbesten Chancen, uns weltweit mit unseren Produkten zu etablieren. Unternehmen wir also etwas, anstatt uns in die nationale Ecke zu verkriechen!

 

Noch einmal - der Markt ist hart. Als Schweinehalter weiß ich, wovon ich rede.

 preis. Weil ich die Chancen sehe. Die deutsche Schweinehaltung erzeugt heute 110 Prozent des Eigenbedarfs.

 

 Anmerkung: Und ruft immer lauter nach Exporterstattungen und Privateinlagerungen!

 

Sie hat sich damit innerhalb eines Jahrzehntes um 30 Prozent gesteigert. Und tragen wir jetzt die rote Laterne, was die Schlachtschweinepreise angeht?  Mitnichten.

Doch hat sich die Zahl der Schweinehalter dafür in zehn Jahren halbiert.

Auch das gehört zur Wahrheit, die wir aussprechen müssen.

Meine provokante These lautet aber: Wer gut ist und sich etwas zutraut, der erzeugt in zehn Jahren nicht weniger, sondern mehr! Weil der Markt es braucht.

 

 Anmerkung: Die Ansichten des Schweinebauern Schwarz sind schon erstaunlich, um nicht zu sagen dumm, wenn man die globale Entwicklung betrachtet. Die bäuerliche Schweinehaltung wird, wenn das so weitergeht, zugunsten einer industriellen Produktion geopfert. Zu diesen Opfern zählt dann auch der Schweinebauer Schwarz. Nur gut, dass er es noch nicht weiß  !

In Deutschland: Die Agrarindustrie gibt Gas!

·         Geplanter  Bau einer Schweineanlage mit 10.000 Sauen in  MP

·         Weitere 495.000 Mastplätze in der Planung bzw. im Bau oder schon im Betrieb

    mit Einheiten von 15.000 – 50.000 Mastplätzen 

 

Ø  Für bäuerliche Betriebe ist da kein Platz mehr!

 

 

Anlässlich der von der DLG ausgerichteten 4. Konferenz des Forums "Spitzenbetriebe Schweinemast und Ferkelproduktion" vom 22. bis 23. Februar 2005 in Göttingen hielt Jürgen Kramer, PIC International Group, Franklin, USA einen Vortrag zum Status Quo und zu neuesten Tendenzen der Schweineproduktion in den USA. In Zeiten immer stärker werdender Internationalisierung der Märkte, wollen wir an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen und anhand seiner Ausführungen einen Blick über den "großen Teich" werfen:




Neun Prozent des Weltsauenbestandes von rund 72,2 Mill. Sauen werden in den USA gehalten. Die Schweinehaltung hat nach wie vor ihren regionalen Schwerpunkt im Mittelwesten, dem so genannten "corn belt" (Mais-Gürtel) oder auch "corn-soy belt" (Mais-Soja-Gürtel). Insbesondere sind hier die Staaten Illinois, Iowa, Indiana und South Carolina zu nennen. Eine Reihe von Staaten hat in den letzten zehn Jahren in dieser Region beträchtliche Marktanteile verloren, z.B. Illinois. Andere, wie North Carolina und Oklahoma, die bislang nicht zu den führenden Saaten in der Schweinehaltung gehörten, sind in die Spitzengruppe vorgedrungen. South Dakota und Wisconsin hingegen sind, bedingt durch agrarpolitische Maßnahmen, nicht mehr in der Gruppe der zehn führenden Staaten in der Schweinehaltung vertreten.
Während sich der Pro-Kopf-Verbrauch in den letzten 20 Jahren nahezu konstant um die 67 kg bewegt, hat sowohl der Anteil an in den USA produzierten Schweinen, als auch der Anteil von importierten Schweinen und importiertem Fleisch stetig zugenommen. Die gleiche Aussage lässt sich für den Export treffen. In 2002 hat die USA 731.000 t Schweinefleisch und damit 8,2 % ihrer gesamten Produktion exportiert. Nach den EU-Ländern und Kanada nimmt die USA mit 18,2 % Anteil am weltweiten Schweinefleischhandel damit noch vor Brasilien den dritten Platz ein. Hauptexportländer sind Japan (38 %), Mexiko (30 %) und Kanada (11 %). Es folgen danach China, Südkorea und Taiwan. Importe kommen größtenteils aus Kanada, im Jahre 2003 betrug der Anteil 82 %.

 

 

Konzentration und vertikale Integration bestimmen die Marktentwicklung



Strukturwandel und Konzentrationsprozess schreiten in den USA immer schneller voran, und die vertikale Integration wird seitens der führenden Unternehmen forciert. Lag der Anteil der schweineproduzierenden landwirtschaftlichen Unternehmen, die mehr als 50.000 Schlachtschweine pro Jahr produzieren, 1988 noch bei lediglich 9 %, so waren es im Jahre 2003 bereits 59 %. In 2003 gab es insgesamt 70.130 Unternehmen am Markt, 25 davon produzierten mehr als 500.000 Schlachtschweine pro Jahr und hielten bei insgesamt 44.903.026 verkauften Schlachtschweinen einen Marktanteil von 40 %. In der Kategorie 50.000 bis 500.000 produzierte Schlachtschweine pro Jahr gibt es mittlerweile auch nur noch 134 Unternehmen, die mit insgesamt 20.380.606 verkauften Schlachtschweinen einen Marktanteil von 19 % halten.

 

                          Die zehn größten Sauenhalter haben einen Marktanteil von 30 %



Sieben Unternehmen halten jeweils mehr als 100.000 Sauen: Smithfield Foods (808.000), Premium Standard Farms (225.000), Seabord Farms (213.000), Christensen Farms (144.000), Iowa Select Farms (130.000), Prestage Frams (130.000) und The Pipestone System (100.000). In der Rangliste folgen weitere größere Unternehmen, die durch Fusionen oder Übernahmen, wie aktuelle Beispiele belegen, schnell in den "Club der 100.000er" aufsteigen können. Während in Deutschland die Top 10 der Sauenhalter mit 60.000 Sauen insgesamt einen Marktanteil von nur 2,2 % einnehmen, haben die Top 10 Sauenhalter mit 1,89 Millionen Sauen in den USA einen Marktanteil von 30,3 %. Derzeit hält sich der Anteil der Familienunternehmen und der Kapitalgesellschaften noch die Waage, der starke Trend zu immer mehr börsennotierten agrarindustriellen Unternehmen zeichnet sich allerdings klar ab. Für den klassischen Familienbetrieb gibt es wahrscheinlich nur bedingt eine Zukunft.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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