Milchkrise: Wird“ Russisches Roulette“ zur Strategie erhoben?

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

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Milchkrise: Wird“ Russisches Roulette“ zur Strategie erhoben?

 Oder: Alles wie gehabt! - Keine Einsicht! -  Keine Argumente! - Wenig   Verstand!

Kommentar vom SV Karl-Dieter Specht

Kreis Cuxhaven. Unter den Milchbauern herrscht Aufbruchstimmung. An der Küste wird so viel in neue Kuhställe investiert wie schon lange nicht mehr. Um so größer ist die Furcht der Landwirte, dass der Gesetzgeber ihnen bald Knüppel zwischen die Beine werfen könnte. „Das Baurecht muss bestehen bleiben“, fordert Wesermündes Landvolk-Chef Jan Heusmann (Quelle: Inga Hansen NZ)

Anmerkungen: Mit obiger Überschrift kann man das Verhalten und die Forderungen des Landvok-Chefs Jan Heusmann bezeichnen.Hat dieser Mann die Zeit verschlafen. Ist er Opfer der Informatinspolitik des Bauernverbandes und der Milchindustrie geworden ? Hat er aus der letzten Milchkrise nichts gelernt? Will er "Russisches Roulette" spielen oder ist er beratungsresistent? Diese Fragen drängen sich auf, wenn Heusmann etwas von sich gibt.

Heusmann: Es gibt den Bauern das Recht, ihre Ställe im Außenbereich zu errichten, ohne dass die Kommunen mitreden. Für Stallbauten braucht es keine Bauleitplanung. Nun aber gibt es Überlegungen im Agrarministerium in Hannover, das zu ändern. In Gebieten mit großer Viehdichte soll diese Privilegierung eingeschränkt. Niedersachsens neuer Landwirtschaftsminister Gert Lindemann hat sich auf die Fahnen geschrieben, das ramponierte Image der Tierhaltung zu retten. Nach heftiger Kritik will er für mehr Tierschutz in den Ställen sorgen und denkt darüber nach, den Bau großer Mastanlagen zu erschweren. Auf Heusmanns Hof in Donnern trafen sich Landwirtsvertreter aus dem Cuxland mit Landrat Kai-Uwe Bielefeld und dem Vizepräsidenten des Deutschen Bauernverbandes, Udo Folgart, um über die Folgen zu diskutieren. Vor allem die Baurechts-Debatte bereitet den Cuxland-Bauern Sorge. Hintergrund die Entwicklung in den Agrar-Hochburgen Vechta, Cloppenburg und Emsland. Dort wächst der Widerstand gegen große Mastställe, die Verwaltung sucht nach Wegen, ihren Bau zu beschränken. Gemeinsam haben Niedersachsens Landkreise kürzlich eine Neuregelung beim Bau von Ställen gefordert, weil im Nordwesten die Grenze der Belastbarkeit erreicht sei(Quelle: NZ).

Anmerkungen: Was ist daran so schlimm, dass man gegen mögliche Einschränkungen der gewerblichen Tierhaltung so wettert. Welche Gründe sprechen dagegen? Darauf geht Heusmann nicht ein. Da will ich ein wenig nachhelfen!

Ø  Die starke Erweiterung der gewerblichen Massentierhaltung führt zu Umweltproblemen( siehe u.a.  auch das Gutachten der Deutschen Bank -Lebensmittel-Eine Welt voller Spannung).

Ø  Die starke Erweiterung der Massentierhaltung wird von der Bevölkerung abgelehnt (über 50 Prozent der Bevölkerung lehnen die Massentierhaltung ab).

Ø  Die starke Erweiterung der Massentierhaltung spaltet die Gesellschaft!

Ø  Die starke Erweiterung der Massentierhaltung führt zur Überproduktion( siehe auch die  Entwicklung in der Schweine- und Geflügelmast).

Ø  Die Überproduktion führt zum Preisverfall( siehe letzte Milchkrise).

Ø  Die Massentierhaltung vernichtet die bäuerliche Landwirtschaft!

 

 Heusmann: Dass damit auch im Cuxland Großbetriebe entstehen, ist für Landvolk-Chef Heusmann klar: „Wir werden auch hier Betriebe haben, die 1000 Kühe melken.“ Das sei aber kein Problem, solange die Entsorgung der Gülle gesichert sei. Aus Sicht der Landwirte ist die ganze Diskussion um die großen Ställe völlig überzogen. „Tierschutz hat mit der Größe des Betriebes überhaupt nichts tun“, betont Heusmann. Gerade in der Milchviehhaltung garantierten die meist großen, modernen Ställe, dass die Kühe dort mehr Licht, mehr Luft und mehr Liegekomfort bekommen, als es früher der Fall gewesen sei(Quelle: NZ)

Anmerkungen:  Auch hier muss dem Beratungsresistenten noch Nachhilfe erteilt werden. Eine unkontrollierte Produktionsausweitung führt, das hat die Vergangenheit gezeigt, zum Preisverfall! Die letzte Milchkrise liegt vielen Milchbauern noch schwer im Magen. Im Übrigen sind Milchviehbetriebe dieser Größenordnung nicht wettbewerbsfähiger als bäuerliche Familienbetriebe. Deshalb macht es keinen Sinn, solche Größenordnungen zu fordern oder herbeizureden. Sie passen ganz einfach nicht in die -von bäuerlicher Hand geprägte -  Kulturlandschaft. Allein die Milchindustrie ist Nutznießer einer solchen Größenentwicklung, denn sie kann dadurch ihre Milcherfassungskosten auf Kosten der bäuerlichen Familienbetriebe senken.

 

Dazu die genossenschaftliche Molkerei Ammerland:

Die Molkerei Ammerland setzt ihren Wachstumskurs fort, berichtet das Wochenblatt Westfalen-Lippe. Die Milchverarbeitung ist im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 6% gestiegen, die Käseproduktion wurde um fast 12% ausgeweitet und erreichte eine Menge von 95.000 t. Butter, Frischprodukte und Pulver blieben mit Wachstumsraten von jeweils etwa 1% mengenmäßig stabil. Ziel der Genossenschaft ist weiteres Wachstum in einer Größenordnung von rund 5% pro Jahr. Die 1.900 liefernden Mitglieder gehen diesen Weg mit:Ihre durchschnittliche Referenzmenge wuchs innerhalb eines Jahres von 530.000 kg auf 573.000 kg (+8%). Und zum Quotenverkaufstermin am 1. April dieses Jahres kauften sie per Saldo nochmals 19 Mio. kg dazu(Quelle: topagrar).

Anmerkungen: Es ist zwar schön, wenn eine Meierei stolz eindrucksvolle Zahlen der Öffentlichkeit präsentiert. Wenn dann auch noch der Milchgeldauszahlungspreis an die Milchbauern stimmt – umso besser! Leider – so ist zu vermuten- ist diese Euphorie dem Augenblick geschuldet. Der zurzeit gute Käsepreis hat Ammerland an die Oberfläche  gespült. Das Portfolio der Genossenschaft umfasst wenige Eigenmarken. Tätig ist sie im Handelsgeschäft mit Käse, Butter, Industrieprodukten und zum geringen Teil mit Frischprodukten. Der Wertschöpfungsindex (Milchverarbeitung in Relation zum Umsatz) von Ammerland liegt im unteren Drittel der Ranking-Bewertung von Nina Steffens -  um nicht zu sagen“ fast“ an letzter Stelle.(Quelle:  Nina Steffens (Uni Göttingen).

Dazu Prof. Dr. Spiller (Uni Göttingen)Profilierte Marken (Eigenmarken) gelten heute in der Ernährungsindustrie als zentrale Treiber des Unternehmenswertes (MEFFERT et al., 2002). Allerdings werden die ökonomischen Risiken angesichts steigender Werbeaufwendungen und des Drucks der Handelsmarken ebenfalls größer. In dieser Situation verfügen genossenschaftliche Hersteller heute im Durchschnitt eher über schwache Marken.

Anmerkungen: Nichts ist gegen ein gesundes Selbstvertrauen einzuwenden, wenn man sich und den Weltmarkt dabei  nicht überschätzt. Das scheint aber bei „Ammerland“ der Fall zu sein. Dass dieses angepeilte Wachstum  von jährlich 5 Prozent auch Risiken beinhaltet, scheint man völlig außer Acht zu lassen. Wie will Ammerland die angepeilte Mehrmenge  an Rohmilch angesichts des sensiblen Milchmarktes unterbringen ohne dabei die Marktpreise in den „Keller zu bomben“? Wie will Ammerland die angepeilten Mehrmengen am Markt unterbringen bei gleichzeitiger Stagnation des Europäischen Marktes für Milchprodukte?  Wie will Ammerland die angepeilte Mehrproduktion auf den Drittlandsmärkten unterbringen angesichts der Kostenvorteile der weltweiten Gunststandorte für die Milchproduktion? -  Ergänzung: Im Geschäftsjahr 2009 wurden auf den Drittlandsmärkten zirka 7 Prozent des Gesamtumsatzes generiert. Das ist nur eine Randnotiz im Verhältnis zum Gesamtumsatz und kann als Begründung der Mengenausweitung wohl nicht herhalten. -    Welchen Auszahlungspreis an die Milchbauern strebt Ammerland angesichts dieser Mengenausweitung in Zukunft an? Hat das Management von Ammerland eine ehrliche Diskussion mit den Milchbauern über „das Für und Wider“ „seiner Strategie“ geführt?  Stehen die 1.900 Milchbauern geschlossen hinter ihrer Meierei? Fragen über Fragen, die das Management den Milchbauern  beantworten muss, denn sie sind die eigentlichen Eigentümer der Genossenschaft, und sie tragen das volle Risiko und nicht die Geschäftsführung. Die Geschäftsführung, d.h. die hauptamtlichen Manager, werden bei einer „Bruchlandung ihrer Geschäftspolitik“ oft ausgetauscht und erhalten meistens den goldenen Handschlag. Die Genossen hingegen müssen die von den Managern „fabrizierte Suppe“  immer alleine auslöffeln.

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