Milchkrise : Staatssekretär Dr. Gerd Müller fungiert als Märchenerzähler

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

 

Milchkrise :Parlamentarischer Staatssekretär Dr. Gerd Müller fungiert als Märchenerzähler

 

Anlässlich der Grünen Woche in Berlin nahm der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundeslandwirtschaftsministern für Ernährung Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Dr. Gerd Müller, zu den Agrar-Exporten nach China Stellung:“ Für die künftige Entwicklung  der deutschen Agrar-und Ernährungswirtschaft ist China ein strategischer Partner von großer Wichtigkeit.“

Begründung: Die wachsende chinesische Bevölkerung mit ihrer steigenden Nachfrage – insbesondere nach tierischen Produkten- werde mittel und langfristig nur dann zu ernähren sein, wenn die Produktion vor Ort auf nachhaltige Weise gestärkt wird und gleichzeitig größere Mengen hochwertiger Produkte  eingeführt werden. Gerade die deutsche Milchwirtschaft, so Dr. Müller, mit ihren  hochwertigen Produkten hat weltweit gute Chancen.

                                                 

                                                            China –das Land als Problemlöser ?

China trat in den letzten 10 Jahren als Importeur von landwirtschaftlichen Produkten kaum in Erscheinung. An Getreide importierte China im Schnitt zwischen 1-3 Mio. Tonnen/a. Bei Fleisch sind die Chinesen fast Selbstversorger. Die Handelsmengen an Geflügel- und Schweinefleisch sind so gering, so dass diese Mengen in der Statistik überhaupt nicht auftauchen. Lediglich 220.000 t Schweinefleisch wurden importiert. Das sind 4 Prozent des weltweiten Fleischhandels. Der Import wurde deshalb erforderlich, weil eine Schweinekrankheit die Bestände dezimiert hat. Zurzeit wird der chinesische Schweinebestand wieder kräftig aufgestockt, sodass in den kommenden Jahren wieder mit Schweinefleischexporten aus China zu rechnen ist.

 

Die Mär vom ungesättigten Milchmarkt in China

Gemäß der Bevölkerungsstatistik wird es in dem zurzeit überschaubaren Zeitraum zu keinem nennenswerten Bevölkerungswachstum kommen. Im Gegenteil: Auch die chinesische Bevölkerung überaltert  und somit vermindert sich auch der Nahrungsbedarf  der Menschen. Auch die Milchpulverimporte, die heute  zirka 210.000 Mio. Tonnen betragen (natürlich mit Exportbeihilfen), werden weiter zurückgehen. Nach der Melamin-Krise werden in Kuhbestände in diesem Jahr wieder um 500.000 Kühe aufgestockt. Darüber hinaus beteiligt sich der neuseeländische Meiereikonzern Fonterra an der Errichtung  großer Milchviehbetriebe. Auch Danone ist wieder mit von der Partie. Insoweit ist damit zu rechnen, dass ein nennenswerter Import von Milchprodukten nach China in Zukunft nicht zu  erwarten ist. Zudem kauft sich China u.a. in den Ländern Neuseeland und Kanada kräftig ein, um sich unabhängiger von „fremden“ Exporten zu machen.

 

Die Vorgaben des Ministeriums

Die durchschnittliche Milchleistung der Kühe in China liegt zurzeit bei zirka 3.000kg Milch je Kuh und Jahr und soll gemäß des Handelsministeriums der Volksrepublik China deutlich gesteigert werden. Gemäß den Angaben des Ministeriums gehört China zu den Ländern, in denen sich die Milchproduktion am schnellsten entwickelt. Seit 2001 hat die Milchproduktion jährlich um 20 Prozent zugenommen. In ganz China gibt es 12 Mio. Kühe. Ein Drittel davon sind reinrassige Milchkühe. Die Milchproduktion soll von 28,65 Mio. Tonnen Milch (2005) auf 42 Mio. Tonnen (2010) gesteigert werden. Die Milchindustrie soll modernisiert  werden und qualitativ eine Spitzenstellung in der Welt erreichen. Das gilt auch für die Milchleistung der Kühe. Darüber hinaus wird einer Diversifizierung der Milchproduktenpalette das Wort geredet.

 

 Dazu der Vorstandsvorsitzende des chinesischen Milchindustrieverbandes Song Kungang :

„Auf dem chinesischen Milchmarkt sind Marken wie „Sanyuan“ aus Beijing, „Guangming“ aus Shanghai und „Yili“ aus der Inneren Mongolei sehr beliebt. Sie behaupten jeweils den größten Marktanteil in den jeweiligen Gebieten. Hinter diesen Marken stehen die technisch am besten ausgestatteten Molkereien mit angeschlossenen großen Milchkuh-Farmen und diese unterstützen dann auch einzelne Bauernhaushalte, die ebenfalls Milchkühe züchten, in technischer und hygienischer Hinsicht.“

Der Gewinn aus der Milch einer einzelnen Milchkuh beträgt in China ungefähr 3500 Yuan – rund 500 Euro pro Jahr.  Die Milch-Produktion gilt für die chinesischen Bauern also als ein Weg zum Wohlstand.

Unlängst fand ein Symposium über die Gesundheit der Bevölkerung und die Förderung der Milchindustrie in Beijing statt. Dazu der Pressesprecher des Chinesischen Ministeriums für Wissenschaft und Technik, Shi Dinghuan: „Das Ministerium für Wissenschaft und Technik wird in den kommenden 5 Jahren die Basis- und High-Tech-Forschung der Milchproduktion intensivieren, die industrielle Sanierung verstärken und die Aktivität der Betriebe und einzelner Bauernhaushalte ankurbeln, um so die chinesische Milchindustrie voranzutreiben.“

 Die Strukturen der Milchviehbetriebe  in China

Großbetriebe von 1.000 – 10.000 Kühen gehören meistens der Milchindustrie oder sind in Staatsbesitz. 75 Prozent der Milchkühe werden in kleinbäuerlichen Betrieben gehalten, deren Eigentümer zu 66 Prozent „ihre Kühe“ noch mit der Hand melken (oder lassen!).  Eine Besonderheit der bäuerlichen Milcherzeugung in China ist, dass die Bäuerinnen ihre Kühe zwei Mal täglich zu einer Milchsammelstelle im Dorf treiben, wo sie dann vom Betreiber  der Milchsammelstelle gemolken werden, der wiederum mit der Molkerei verbunden ist  Die Bauern erhalten für die so gemolkene Milch   Geld. In dieser fast undurchsichtigen Gemengelage. fanden (oder finden?) Panschereien statt ( siehe Melamin-Skandal).  Oft wurde (wird ?) aus 500 kg Bauern-Milch durch Zugabe von Wasser, Sojaprotein, Molkepulver, Natriumcitrat, Fettöl, Dextrin, Melamin und anderer Zusätze die ermolkene Milchmenge auf wundersame Weise auf 6.000 kg Panschmilch vermehrt. Diese wundersame Verdünnung der Milch ist- so wird  vermutet- für die laktoseintoleranten Chinesen bekömmlicher, wenn man den  Melamin-Skandal  mal außer Acht lässt.  Darüber hinaus ist die laktosefreie Milch erheblich teurer und bremst dadurch den Milchkonsum preislich ein.

Konsequenzen

Die Modernisierung der Michwirtschaft in China wird von  de26.04.2010-09-58-26.jpgr internationalen Milch- und Verpackungsindustrie vorangetrieben. Dabei steht im Fokus der strategischen Überlegungen die Versorgung Chinas mit Molkereiprodukten aus der eigenen Produktion sicherzustellen. Die Errichtung komplexer Milchkombinate zur regionalen Milchversorgung durch die internationale Milchindustrie dokumentiert eindeutig diesen Weg. Diese rasante Entwicklung, auch was die Steigerung der Milchleistung der Kühe anbelangt, lässt in Zukunft einiges erwarten. Allein durch die Verbesserung der Michleistung je Kuh lassen sich zusätzlich zirka 36 Mio. Tonnen/a Milch mobilisieren. Darüber hinaus bringt das Wachstum der Kuhbestände einen weiteren Schub. Diese Mehrproduktion lässt sich aller Voraussicht nach nicht  auf dem chinesischen Markt unterbringen. Die ehrgeizigen Pläne des chinesischen Handelsministeriums  untermauern diese Einschätzung. Die Folge ist, dass in naher Zukunft China in nennenswertem Umfang als kompetenter Exporteur von Milchprodukten auf dem Weltmarkt auftritt. Dabei wird sich das Angebot nicht nur auf austauschbarer Massenware beschränken sondern Prämienprodukte werden ebenfalls zum Portfolio gehören. Aufgrund der günstigen Kostenstruktur der Milchproduktion in China verheißt das nicht gutes für die europäischen Milchbauern. Wie heißt es doch so schön: In der Globalisierung liegt unsere Zukunft – aber nicht die der bäuerlichen Betriebe!

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