Milchkrise : Zocken, bis dass die nächste Blase platzt !

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

Milchkrise :               Raiffeisen – Zocken, bis dass die nächste Blase platzt !

  

Als ob nichts gewesen wäre will der Raiffeisenverband am großen Rad der Spekulation in Zukunft mitverdienen. Also als Global-Player ! Dafür muss, so der Präsident des Raiffeisenverbandes Manfred Nüssel, eine europäische Warenterminbörse her. Egal wie! “ Das Denken in volatilen Märkten ist bei uns angekommen, “ unterstreicht der Präsident bedeutungsvoll. Für die Milch, die natürlich auch Spekulationsobjekt werden soll, hat man besonderes vor.  Nüssels  Headline: „Um richtig mitzuspielen auf den »growing markets« werde man künftig nicht so profane Nahrungsmittel wie Butter oder Käse exportieren, sondern »Ingredients«, was auf Deutsch so viel bedeute, wie »die Inhaltsstoffe der Milch noch besser herauszuarbeiten«. Wenn dieses Supermilchpulver dann einen Preis von »ein Kilogramm – 1000 Dollar« erziele, sei das »das richtige Verhältnis zum Exportieren«.

 

Exkurs: Ein Warentermingeschäft ist ein Abkommen  zwischen dem Verkäufer und dem   Käufer zu einem festgelegten Zeitpunkt eine bestimmte Menge an Waren in bestimmter Qualität zu einem vorher festgesetzten Preis und an einem bestimmten Ort  zu übernehmen. Durch diese Art des Warentermingeschäfts werden den  Landwirten Planungssicherheiten  für die landwirtschaftliche Produktion geboten. Sie dienen somit auch als Finanzierungsinstrument des laufenden Betriebes. Zunehmend treten infolge der Finanzkrise Kapitalanleger am Warenterminmarkt auf, die nicht an der Ware interessiert sind sondern auf höhere Preise spekulieren. Da Gier bekanntlich Verstand frisst, kann es zu den allseits bekannten Blasen kommen, die wiederum den Warenterminmarkt abstürzen lassen. Darüber hinaus können große Markteilnehmer durch Transaktionen  am Warenterminmarkt diesen zu jeder Seite hin beeinflussen. Experten gehen davon aus, dass  bis zu 60 Prozent der Umsätze am Warenterminmarkt nicht durch Warenwerte gedeckt sind. Es sind reine Spekulationsgeschäfte.

Um diese Preise zu erzielen, benötigt Nüssel das Kasino-Kapital. Also  Spekulanten, die den schnellen Euro machen wollen. Nur, der Milchbauer hat davon nichts, denn diese Gewinne sind Spekulationsgewinne, die den Hedge-Fonds, Brokern und anderen Kapitalgebern zufließen.

 

Dazu Alfred Boelli von der Schweizer Privatbank Pictet :

  Die Hedgefonds haben zum Beispiel jetzt die Rohstoffmärkte erkannt. Früher waren nur einige wenige beteiligt. Jetzt machen sie zum Teil die Märkte. Also da ist sehr viel Spekulation dabei.“

     

                                           Erinnern wir uns an die Finanzkrise

Kurzfristige Profite haben die Eigenschaft gegenüber der industriellen Expansion, dass sie, wie in der Vergangenheit, nicht für Neuinvestitionen verwendet werden sondern in Spekulationsblasen fließen.  Die Spekulationsblasen hängen aber eng mit der Realwirtschaft zusammen. Fließen am Ende des industriellen Zyklus weniger Profite vom Realsektor in die Blasen, wird Geld aus den Finanzanlagen für den Ersatz der industriellen Anlagen benötigt, können Spekulationsblasen platzen und die gesamte Volkswirtschaft ins Trudeln bringen. Die umher vagabundierenden Geldmengen haben  zu einer leichtfertigen Vergabe von Krediten geführt. Durch die niedrige Nachfrage nach industriellen Krediten gerät das Überangebot an Krediten im Boom auf die undurchsichtige und zum Teil „kriminelle Bahn“ des Kreditwesens. In den USA wurden (oder werden noch ? ?) sogar Kredite an Leute ohne Einkommen und Vermögen vergeben, so genannte Subprime-Kredite, die sehr treffend als Ninja (No income, no assets) Bonds bekannt sind. Um aber die Welt zu beruhigen, ließen sich die Bankiers die „securisation“ einfallen, das bedeutet, dass schlechte und gute Kredite in ein Bündel zusammen geschnürt werden und in dieser Form an andere Banken weiter verkauft. Das hat die Folge, dass man nicht weiß, wie viele faule Kredite ( Leichen im Keller ) tatsächlich im Umlauf sind. Dabei hofft natürlich jede Bank, die Konkurrenz werde den „schwarzen Peter“ ziehen.

 

Dem Kasino-Kapitalismus sei Dank!

Dieses Spekulationsabenteuer des Finanzsektors muss nun der Steuerzahler „ausbanden“. Bemühungen  diesen Kasino-Kapitalismus zu bändigen, sind bisher gescheitert.

 Wenn nichts passiert, ist die nächste Blase nicht mehr weit weg.
Und diese Blase, wenn sie denn kommt, kann mit Finanzmitteln allein nicht mehr bewältigt werden. Darin sind sich (fast) alle Finanzexperten einig. Man kann die Geldmenge nicht unbegrenzt vermehren. Die hohe Verschuldung der öffentlichen Haushalte ( ein Ende ist nicht abzusehen ) heizt die Inflation an. Diese wiederum entwertet die Spareinlagen der Bürger und hilft denen, die mit Zocken ihr Geld verdienen. Wenn nichts passiert, wird die junge Generation die Folgen einer gigantischen Enteignungspolitik durch Inflation zu tragen haben.

 

                                         Renditen von 25 Prozent und mehr müssen her!

 Denn die Zocker können weiter auf Pump spekulieren, da der Staat sie nicht fallen lässt (siehe Finanzkrise). Billig gepumptes Geld von den Staatsbanken wird nicht in die Wirtschaft gesteckt sondern dient oft der Spekulation. Man erwartet ja schließlich Gewinne von 25 Prozent und mehr! Im Internet werden Spekulationsgewinne von über 100 Prozent offeriert!

 

                                 Die Spekulation mit Nahrungsmitteln nimmt wieder zu

Am stärksten trifft es zurzeit die Schleckermäuler. Der Preis für Kakao hat sich seit 2007 verdoppelt. Nicht wegen einer Angebotsverkappung, sondern das ist das Ergebnis einer konzertierten Spekulation. Dazu Sönke Renk von Bahlsen: „Spekulanten haben sich ein neues Spielfeld gesucht und den Kakao entdeckt“, sagte Sönke Renk auf der Süßwarentagung in München. Doch was hierzulande noch wie ein Luxusproblem klingt, führt in Entwicklungsländern schon zu Hungerrevolten: Die Lebensmittelpreise, die nach ihrem Allzeithoch im Zuge der Krise gerade erst wieder auf Normalniveau angekommen sind, erleben schon wieder eine rasante Steigerung.

 

Die Spekulations-Rallye ist schon wieder in voller Fahrt!

Verlockende Angebote mit Renditen  von über 100 Prozent geistern durch die Presse und befeuern die Gier der Anleger. Dabei ist es den Brokern gleichgültig, wer für die Gier der Anleger die Zeche bezahlen  muß. Hauptsache die Kasse stimmt! Für die Behebung sozialer Verwerfungen ist ja der Staat zuständig! Basta !

 Beispiel aus dem Internet : Megatrend Konsum:  Das Angebot zum Zocken !

Der Pro-Kopf-Zuwachs beim Einkommen betrug in den Emerging Markets zwischen 2003 und 2008 sage und schreibe 126 Prozent. In den Industrieländern waren es lediglich 32 Prozent.

Rasant steigendes Pro-Kopf-Einkommen
Das Pro-Kopf-Einkommen hat sich in den Emerging Markets seit 2003 mehr als verdoppelt. Dadurch werden sowohl der Konsum als auch die Investitionen in Immobilien massiv angetrieben. Vielfach wachsen Großkonzerne nur noch wegen ihres Engagements in den Emerging Markets. Obwohl dort ganz andere Unternehmen wie beispielsweise Dongfang Electrical in China Marktführer sind und nicht die bekannten ABB, Siemens oder General Electric ...

·         Megatrend Wasserknappheit: Gerade in den Emerging Markets gibt es immer größere Probleme mit der Trinkwasserversorgung der wachsenden Bevölkerung. Die Verbesserung der Wasser-Infrastruktur bietet riesige Chancen für vorausschauende Unternehmen.

·         Megatrend Agrarrohstoffe: Das starke Wachstum der Mittelschicht in den Emerging Markets führt zu permanent wachsender Nachfrage nach hochwertigen Nahrungsmitteln.

Das sind einige der großen Megatrends, von denen Sie als Anleger massiv profitieren können.

 

 

                                              Dazu Bauernpräsident Gerd Sonnleitner:

Berlin. Eine Transaktionsteuer zur Bekämpfung der Spekulation mit Nahrungsmitteln fordert Bauernpräsident Gerd Sonnleitner. An der Hausse der Preise von 2007 und 2008 und "ihrem umso schlimmeren Absturz" seien Spekulanten in hohem Maße beteiligt gewesen, sagt er der Frankfurter Rundschau. 20 bis 30 Prozent der Erhöhungen gingen auf das Konto unnützer Wetten an den Börsen. Die massiven Preissteigerungen hatten in verschiedenen Ländern zu Hungerrevolten geführt, weil die Menschen die Nahrungsmittel nicht mehr bezahlen konnten. Laut Sonnleitner ist die Landwirtschaft eine der Hauptleidtragenden der Wirtschaftskrise. Der ebenfalls durch Spekulationen ausgelöste Zusammenbruch der Realwirtschaft habe etwa dazu geführt, dass "plötzlich verschiedene Abnehmerländer keine Devisen mehr hatten, um uns Nahrungsmittel abzukaufen.“

Sogar die Grünen unterstützen Sonnleitner!

Seine Forderung wird auch von den Grünen unterstützt: Ihre Landwirtschaftsexpertin Ulrike Höfken verweist auf die Entwicklungs- und Agrarverbände, die seit langem zu Recht die Bekämpfung der Spekulation auf den Agrarmärkten forderten. Nach dem Motto: Wo Sonnleitner Recht hat, hat er Recht! Im wahrsten Sinne des Wortes ! Nur – an den Taten kann man ihn erkennen! Hier muss Sonnleitner noch „gewaltig“ nachlegen, wenn seine Einsicht nicht zur reinen Willensbekundung verkommen soll!

                                    

                                                    Raiffeisen will das große Rad drehen!

Trotz dieser Lippenbekenntnisse ist bis heute nichts geschehen. Oder sollten diese Lippenbekenntnisse nur als Alibi herhalten, um dann ungehindert weiter Zocken zu können? Der Eindruck drängt sich auf, denn die Banken sind wieder mit von der Partie! An diesem Spiel will sich nun Raiffeisen  auch beteiligen und  das große Rad drehen. Motto der hauptamtlichen Raiffeisenbosse:“ Die Gier ist die Triebfeder des Menschen, schnell und ohne Arbeit viel Geld zu verdienen und das wollen wir auch!“

Das Risiko tragen allein die Genossen!

 Die Sache hat einen Haken: Nicht die Bosse stehen in der Haftung sondern die Genossen (Eigentümer) mit ihren Einlagen (oder darüber hinaus)!

Es muss mit der Milch wieder Geld verdient werden!

Vor diesem Hintergrund muss das Zocken mit Nahrungsmitteln stark eingeschränkt werden. Ein Zocken auf Pump darf es nicht mehr geben. Es muss mit der Milch wieder Geld verdient werden und nicht  an der Milch!

 

Weitere Infos unter http://specht-over-blog.de

 

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