Schweinehalter: Die neuen Preismasken demaskieren die Schlachtindustrie!
Schweinehalter: Die neuen Preismasken demaskieren die Schlachtindustrie!
Kommentar vom SV Karl-Dieter Specht
Worum geht es?
Exkurs: Schlachtkörper von Schweinen werden gemäß der Handelsklassen-Verordnung auf der Grundlage des apparativ geschätzten Muskelfleischanteiles in Handelsklassen eingestuft. Basis dafür stellen Schätzgleichungen dar, die vom Max-Rubner-Institut Kulmbach ermittelt und in der neuen Handelsklassen-Verordnung veröffentlicht wurden. Die Schätzgleichungen müssen regelmäßig auf ihre Schätzgenauigkeit überprüft werden und sollen den über Zerlegung oder bildgebende Referenzverfahren tatsächlichen Muskelfleischanteil gemäß der EU-Zulassungsbedingungen (Schätzfehler <2,5%, Bestimmtheitsmaß > 0,64) wiedergeben.
Die seit 1997 gültigen Schätzformeln entsprachen diesen Anforderungen nicht mehr, sodass neue ermittelt wurden, die ab 4.10.11 verbindlich umzusetzen sind. Dabei wird insbesondere auf die Klassifizierung mit Sondenchoirometern (z.B. Fat-O-Meater oder FOM-Sonde) eingegangen( Quelle. Dr. Müller).
So weit –so gut!
Neue Erkenntnisse zugunsten der Fleischindustrie!
Nun machte sich die Fleischindustrie an die Arbeit, um im „Lichte der neuen Erkenntnisse“
für die Schweinebauern neue Preismasken zu kreieren bzw. die „Alten“ anzupassen. Überrascht war die Schlachtindustrie als sie feststellen musste, dass die von ihr verwandten Preismasken zugunsten der Schweinebauern klassifizierten. Schnell war sich die Schlachtindustrie einig, dass es so nicht weitergehen kann. „Wo kommen wir denn hin, wenn wir den Schweinebauern mehr auszahlen als wir es unbedingt müssen“, scheint der Slogan der Schlachtindustrie zu sein. Schon schritt die Schlachtindustrie zur Tat: Westfleisch hielt kurzerhand rückwirkend 2 Cents/kg Schlachtgewicht ein (die rückwirkende Einbehaltung wurde aufgehoben). Tönnies folgte mit 1 Cents/kg/ Schlachtgewicht, den Tönnies aufgrund von Protesten wieder zurückzog.
Neue Maske beschert den Schweinebauern Mindereinnahmen!
Westfleisch ist seit letzter Woche mit einer neuen Maske am Markt. Mit dem Ergebnis, dass die Schweinebauern je Kilogramm Schlachtgewicht 1,5 Cents weniger bekommen. Man muss sich natürlich die Frage stellen: „Was nützen den Schweinebauern Maskenänderungen, die (fast) immer zu ihrem Nachteil ausgelegt werden?“
Private und Genossen - eine unheilige Allianz zu Lasten der Bauern!
Festzuhalten ist auch, dass Genossenschaften (Westfleisch) und Private (Tönnies) an einem Strang ziehen, wenn es um die „Deckelung“ bäuerlicher Einkommen geht.
Und was sagt die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) dazu?
Sie kritisiert diese Vorgehensweise auf das Schärfste. „Wenn es tatsächlich einen Fehler geben sollte, dann müssen und werden die Schlachtunternehmen die Ursache finden und beheben. Aber nicht zu Lasten der Landwirte! Das Problem jetzt einfach auf die Schweinehalter abzuwälzen machen wir schon gar nicht mit“, stellt Dr. Torsten Staack, ISN-Geschäftsführer, ganz klar fest. Zudem können neben vermeintlichen EDV-Fehlern auch andere Faktoren zum Tragen kommen so Staack weiter: Vielleicht haben die Bauern auch einfach gut sortiert und passgenau abgeliefert?
Schon im Vorfeld hatte die Umstellung auf die neuen Klassifizierungsformeln einen stark bitteren Beigeschmack. Seit Monaten war bekannt, dass es neue Abrechnungsmasken geben würde, deren Inhalt wurde aber einfach – bis teilweise wenige Stunden vor ihrem Inkrafttreten – nicht veröffentlicht. „Marktpartnerschaft und die viel beschworene Zusammenarbeit sieht anders aus!“, erklärt die ISN (Quelle: ISN).
Anmerkungen: Das ist schon ein Stück aus dem Tollhaus! Da werden in geheimer Kommandosache durch die Schlachtindustrie neue Abrechnungsmasken erstellt und die ISN steht staunend und unbeteiligt daneben. Das Ergebnis ist: Die Schweine werden billiger, die Abrechnungsmodelle der Schlachtunternehmen werden immer unterschiedlicher (undurchschaubarer), ein Vergleich der Preise ist für den Schweinebauern kaum noch möglich und die Differenzen werden immer größer. Erst wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, so wie jetzt, fängt Dr. Staack an laut zu palavern. Er muss natürlich seine Mitglieder durch rhetorische Scharmützel bei Laune halten. Warum hat sich Staack nicht vorher eingeschaltet (reden allein genügt nicht)? Warum hat sich Staack nicht für eine Vergleichbarkeit der Masken im Vorfeld eingesetzt, damit die Schweinebauern auch wirklich“ vergleichen“ können? Hat er die Proteste der Schweinebauern unterschätzt oder ist er von der Schlachtindustrie „eingeseift“ worden? Fragen, die Staack beantworten muss! Ein weiter so darf es nicht mehr geben. Die ISN muss sich aktiv einschalten und nicht nur mit Worten!